Freitag, 23. August 2019

Kapitalflucht Schwere Insidervorwürfe gegen Zyperns Präsident

Nikos Anastasiades: Die Firma des Schwiegersohns hat wenige Tage vor Schließung der Banken 21 Millionen Euro nach Großbritannien überwiesen

Zyperns Präsident Nikos Anastasiades in Bedrängnis: Hat er die Familie seines Schwiegersohns vorab über die drohende Zwangsabgabe auf Bankguthaben gewarnt? Der Politiker bestreitet die Vorwürfe, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Nikosia - Die zyprische Staatsanwaltschaft prüft Berichte, wonach Unternehmen nach Insiderwarnungen vor Zwangsabgaben auf Bankeinlagen rechtzeitig hohe Summen ins Ausland schafften. Es gehe um Gelder in Höhe von rund 700 Millionen Euro. Griechische Medien berichteten von 136 Firmen.

Unter ihnen soll nach einem unbestätigten Bericht der zyprischen kommunistischen Oppositionszeitung "Charavgi" auch die Familie eines Schwiegersohns von Staatspräsident Nikos Anastasiades sein. Die Firma A. Loutsios and Sons Ltd. soll wenige Tage vor der Schließung der Banken Zyperns 21 Millionen Euro nach Großbritannien überwiesen haben. Präsident Anastasiades sprach von dem Versuch, ihn zu diffamieren.

Das Unternehmen bestätigte die Überweisung, es dementierte aber, dass es Informationen aus dem Präsidentenamt erhalten habe. Die Firma habe im Rahmen ihrer normalen Tätigkeit das Geld überwiesen. Damit sollten zwei Immobilien in Griechenland sowie ein Haus auf Zypern gekauft werden, das dem griechischen Staat gehört. Das Unternehmen habe weiterhin mehrere Millionen Euro auf seinen Konten bei zyprischen Banken gelassen und dadurch - wie viele andere Zyprer - hohe Verluste erlitten. Dies beweise, dass die Firma keine Informationen hatte, hieß es unter anderem in einer Erklärung des Unternehmens.

Rechtsanwalt: "Es wird schwierig sein, Beweise dafür zu finden"

Präsident Anastasiades sagte, es handele sich um einen Versuch der Opposition, ihn zu verleumden. Er kündigte gleichzeitig an, es werde Untersuchungen geben. Niemand solle verschont werden.

Nach Einschätzung von Analysten deuten die Aktivitäten vieler Unternehmen auf Insiderinformationen hin. Dies sei aber nicht weiter verwunderlich. In den Wochen vor der Entscheidung der Euro-Gruppe hatte es wiederholt Erklärungen von einflussreichen EU-Politikern gegeben, die von einer Einbeziehung der Bankkunden für die Rettung der Banken sprachen.

In Unternehmerkreisen sei das längst ein allen bekanntes Geheimnis gewesen. "Die Alarmglocken läuteten schon lange in den Büros der Reedereien in der Hafenstadt Limassol. Zudem wird es sehr schwierig sein, Beweise für alle diese Gerüchte zu finden", sagte der Leiter einer der größten Rechtsanwaltkanzleien der Insel.

mg/dpa-afx

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