Montag, 23. September 2019

Zypern Glücksspiel-Kasino soll mit aus der Krise helfen

Geschäftsmodell gesucht: Zypern muss nach der Bankenkrise, die das kleine Land an den Rand des Ruins gebracht hat, neue Erlösquellen finden und die Ökonomie Zyperns neu ausrichten

Zyperns Präsident Anastasiades sucht Wege aus der Krise. Ein Glücksspiel-Kasino gehört dazu. Oder steuerfreie Gewinne, wenn Betriebe sie im Land investieren. Während der Präsident reiche Anleger noch stärker zur Kasse bittet, will er der breiten Bevölkerung mit Verordnungen unter die Arme greifen.

Nikosia - Die Republik Zypern sucht nach Wegen aus der Krise und scheut dabei auch keine Tabus. Präsident Nikos Anastasiades kündigte in einem Interview der größten zyprischen Zeitung "Fileleftheros" unter anderem die Eröffnung eines Kasinos an. Bislang war dies am hartnäckigen Widerstand der einflussreichen orthodoxen Kirche und ihres Erzbischofs Chrysostomos gescheitert.

Kasinos sind bisher nur auf der türkischen Seite Zyperns zu finden. Im Norden Zyperns gibt es seit einer türkischen Militärintervention 1974 die international nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Im Süden liegt die Republik Zypern, die aber die ganze Insel international vertritt und auch Mitglied der EU ist. Viele Touristen und einheimische Spieler gehen zum Spielen in den Norden.

Doch auf der Suche nach einem neuen Geschäftsmodell für das kleine Land will Anastasiades auf mögliche Einnahmen aus dem Kasinobetrieb wohl nicht verzichten. Die zyprische Wirtschaft müsse dringend weiter gestärkt werden, sagte der Präsident.

Unter anderem solle es keine Steuern auf Gewinne von Betrieben geben, die wieder auf Zypern investiert werden. Bei den Zahlungsfristen und den Zinssätzen für Kredite sprach sich Anastasiades für Erleichterungen aus. Zudem will er zwischen Mieter- und Vermieter-Verbänden vermitteln, damit die Mieten reduziert werden. Sollte dies nicht gelingen, sei auch eine gesetzliche Regelung möglich, sagte der Präsident.

Zypern will Arbeitsmarkt regulieren

Schwierige Zeiten könnten auch auf Nicht-EU-Ausländer zukommen, die auf Zypern arbeiten. Die Regierung will mit den Arbeitgebern eine informelle Beschäftigungsklausel zum Schutz der zyprischen Arbeitnehmer vereinbaren. Demnach sollen 70 Prozent zyprische Bürger und höchstens 30 Prozent Ausländer beschäftigt werden, sagte Anastasiades. Auf Zypern arbeiten Schätzungen zufolge rund 100.000 Nicht-EU-Ausländer als Hausdiener, Kindermädchen sowie im Baugewerbe. Der Großteil stammt aus den Phlippinen, Sri Lanka und Indien.

Das kleine Zypern ist durch seine maroden Banken in große Schwierigkeiten geraten. Die Euro-Finanzminister hatten zugesagt, Zypern mit maximal zehn Milliarden Euro zu helfen. Die Zyprer selbst sollen rund sieben Milliarden Euro aufbringen. Das Land muss den Bankensektor drastisch umstrukturieren und die zweitgrößte Bank des Landes - die Laiki-Bank - abwickeln.

Das Aus für Zypern als Anleger-Paradies ist endgültig besiegelt. Die Notenbank des geretteten Euro-Landes ordnete am Wochenende noch höhere Verluste für vermögende Bankkunden an, als ohnehin schon erwartet worden waren. Kunden des Branchenprimus Bank of Cyprus mit Guthaben von mehr als 100.000 Euro müssen demnach mit einem Sanierungsbeitrag von rund 60 Prozent rechnen, wie Finanzminister Michalis Sarris erklärte.

Bank of Cyprus - Zwangsabgabe steigt auf 60 Prozent

Die Belastung reicher Sparer ist in der Euro-Schuldenkrise ein Novum. Bislang war aber nur ein Abschlag von 30 bis 40 Prozent erwartet worden. Die Zwangsabgabe dürfte vor allem reiche Russen treffen. Sie haben schätzungsweise bis zu 20 Milliarden Dollar bei zyprischen Banken angelegt. Das kleine Euro-Land lockte sie mit niedrigen Steuern, hohen Zinsen und laxen Kontrollen.Die russische Regierung betonte, sie werde privaten Anlegern aus Russland, die Geld bei zyprischen Banken verlieren, nicht unter die Arme greifen. Die Wiedereröffnung der Institute nach fast zwei Wochen verlief am Donnerstag und Freitag indes reibungslos. Harte Regeln sollten ein schnelles Ausbluten der Banken verhindern. So dürfen pro Person und Bank maximal 300 Euro pro Tag abgehoben werden.

rei/dpa/rtr

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