Dienstag, 17. September 2019

Vor Bankenöffnung Gerüchte über Kapitalflucht - Zypern feuert Bankenchefs

Warteschlange vor einem Laiki-Bankautomat: Zypern rüstet sich für die Bankenöffnung am Donnerstag

Einen Tag vor der Öffnung der Banken auf Zypern müssen die Chefs der beiden größten Geldhäuser gehen. Zudem halten sich Gerüchte, dass ausländische Kunden Konten geräumt und größere Summen in Sicherheit gebracht haben.

Nikosia - Die Geldgeber-Troika Zyperns und die Regierung des kleinen Krisenstaates haben beschlossen, die Vorstände der beiden großen zyprischen Banken, Banc of Cyprus und Laiki Bank zu entlassen. Dies teilte die Sprecherin der Zentralbank, Aliki Stylianou, mit. Informationen über einen Rücktritt des Chefs der Notenbank, Panikos Demetriades, wurden indes nicht bestätigt.

Mit der Entlassung der Vorstände der beiden Banken soll ihre Sanierung erleichtert werden, hieß es. Die Zentralbank hatte zuvor einen Insolvenzverwalterin für die Laiki Bank und einen Verwalter für die Bank of Cyprus eingestellt. Am Dienstag trat bereits der Verwaltungsratschef der Bank of Cyprus, Andreas Artemi, zurück. Er sei mit der Zwangsabgabe von bis zu 40 Prozent nicht einverstanden, berichtete der zyprische Rundfunk.

Unterdessen bereitet sich Zypern auf einen Ansturm auf seine Banken vor. Bevor diese am Donnerstag erstmals seit Mitte März wieder öffnen sollen, feilte das mit Milliarden-Hilfen gerade erste gestützte Euro-Land am Mittwoch noch an Kontrollen und Einschränkungen für den Kapitalverkehr. Damit soll verhindert werden, dass verunsicherte Bankkunden ihre Gelder abziehen.

"Die Banken werden am Donnerstag öffnen", bekräftigte Zyperns Finanzminister Michael Sarris. "Wir werden den besten Weg wählen, um die Wahrscheinlichkeit zu limitieren, dass große Summen von Geldern verschwinden." Gleichzeitig sollten negative Auswirkungen auf Unternehmen und damit die ohnehin in der Rezession steckende Wirtschaft begrenzt werden.

Zypern ist wegen seines überdimensionierten Finanzsektors in Schieflage geraten. Nun sollen sie - als Gegenleistung für die zehn Milliarden Euro umfassenden Hilfen von EU und Internationalem Währungsfonds - radikal schrumpfen. Die zweitgrößte Bank des Landes Laiki wird sogar geschlossen, reiche Bank-Kunden sollen einen Großteil ihres Geldes verlieren und damit einen Sanierungsbeitrag leisten.

Gerüchte über Kapitalflucht - räumten Engländer Konten ab?

Trotzdem sollen aber bereits größere Summen von Ausländern in Sicherheit gebracht worden sein. Die Filialen der größten zyprischen Banken in London zum Beispiel wurden nicht dichtgemacht. Dort gab es auch keine Limits für Abhebungen. Laut britischen Medienberichten war zum Beispiel die britische Tochter der zyprischen Laiki-Bank, Laiki Bank UK, während der vergangenen Tage nicht geschlossen. Auch habe es keine Begrenzungen für Geldabhebungen gegeben - auch nicht für Kunden, deren Guthaben die Marke von 100.000 Euro übersteigen und die damit von einer Zwangsabgabe bedroht sind.

Details oder offizielle Bestätigungen für den Abfluss von Geldern gab es am Mittwoch aber noch nicht.

Die Rating-Agentur Moody's hat derweil die EU-Regierungen vor einer Selbstüberschätzung bei der Bewältigung der Euro-Krise gewarnt. Auch nach ihrem ungeschickten Vorgehen zur Rettung Zyperns seien die Politiker offenbar davon überzeugt, ein Übergreifen der Krise auf weitere Euro-Länder verhindern zu können, sagte Moody's-Experte Bart Oosterveld in einem Interview. "Wir gehen davon aus, dass diese Zuversicht fehl am Platze sein könnte."

mahi/dpa/rtr

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