8,50 Euro Bundesrat beschließt Mindestlohn

Der Bundesrat hat sich mit rot-grüner Mehrheit für einen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro ausgesprochen. Auch das von der CDU mitregierte Saarland stimmte dafür. Die Bundesregierung wird den Beschluss jetzt wohl wieder kippen.
8,50 Euro Mindestlohn: Demonstration vor dem Bundeskanzleramt in Berlin. Der Bundesrat hat sich jetzt dafür ausgesprochen, die Bundesregierung wird den Beschluss wohl wieder kippen

8,50 Euro Mindestlohn: Demonstration vor dem Bundeskanzleramt in Berlin. Der Bundesrat hat sich jetzt dafür ausgesprochen, die Bundesregierung wird den Beschluss wohl wieder kippen

Foto: Stephanie Pilick/ dpa

Berlin - Die von SPD und Grünen regierten Länder haben ihre neue Mehrheit im Bundesrat genutzt und einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro durchgesetzt. Auch das von einer Koalition aus CDU und SPD regierte Saarland stimmte am Freitag für den von insgesamt acht Ländern unterstützten Antrag aus Rheinland-Pfalz. Nun muss der Bundestag über den Antrag entscheiden.

Die Regierungskoalition von CDU/CSU und FDP kündigte bereits an, die Bundesratsinitiative mit ihrer Mehrheit dort wieder zu kippen. Die Koalitionsparteien lehnen einen einheitlichen Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde ab, sind aber für nach Branchen und Regionen differenzierte Lohnuntergrenzen offen.

Erstmals seit rund 14 Jahren verfügen SPD, Grüne und Linke nach dem jüngsten Regierungswechsel in Niedersachsen wieder über eine eigene Mehrheit in der Länderkammer. In der Debatte waren deshalb am Freitag - entgegen sonstigen Gepflogenheiten in der Länderkammer - deutliche Wahlkampftöne zu hören.

Hessens Regierungschef Volker Bouffier (CDU) sagte mit Blick auf die neue Mehrheit: "Der Bundesrat wird heute zur Bühne gemacht für die Bundestagswahl." Die SPD habe bereits alle weiteren Initiativen bis zum Wahltermin vorbereitet. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bekräftigte, gut 20 Prozent der Vollzeitbeschäftigten bezögen in Deutschland einen Niedriglohn, und 2,5 Millionen verdienten weniger als sechs Euro. Es gehe bei dem SPD-Vorstoß auch um den Schutz der Unternehmen vor Lohndumping.

Positionen liegen weit auseinander

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) wies indes den Vorwurf zurück, ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro sei ein Eingriff in die Tarifautonomie. An die Adresse von Union und auch FDP sagte er, die Tarifautonomie könne nicht als Ausrede genutzt werden, um sich einer solchen Lohnuntergrenze zu entziehen. Dies würden die betroffenen Menschen nicht akzeptieren.

Auch Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) unterstrich die Notwendigkeit eines flächendeckenden Mindestlohns. Es gebe in Thüringen heute folgende tariflich vereinbarte Lohnuntergrenzen: Friseurhandwerk 3,18 Euro, Floristik 4,44 Euro, Gartenbau 5,93 Euro, Bäckerhandwerk 6,26 Euro, Fleischerhandwerk 5,50 Euro. In Thüringen führt eine CDU/SPD-Koalition das Land.

CDU-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) lehnte in ihrer Rede eine Festlegung der Lohnuntergrenze ab und beklagte, dass SPD und Grüne ihren Antrag nicht in den Bundesratsausschüssen beraten lassen wollten.

Laut Antrag soll eine beim Bundesarbeitsministerium angesiedelte, nicht weisungsgebundene Kommission den Mindestlohn festsetzen. Das Gremium soll mit je drei Vertretern der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmerseite sowie drei weiteren unabhängigen Sachverständigen aus der Wissenschaft besetzt werden. Die neun Mitglieder der "Mindestlohnkommission" sollen auf fünf Jahre bestellt werden.

rei/dpa-afx
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