Samstag, 20. April 2019

Migranten Auf ins gelobte Land

Streikende Ärzte in Malaga: Tausende Spanier suchen in Deutschland neue Jobs

3. Teil: Firmen helfen bei Sprachkursen und Wohnungssuche

Der Druck auf die Firmen nimmt unterdessen zu: Grund ist laut Experten der viel zitierte Fachkräftemangel. "Bundesweit werden Alten- und Krankenpfleger gesucht, in fast allen ländlichen Regionen fehlen Ärzte, in Süddeutschland suchen Betriebe Techniker und IT-Fachleute", zählt ZAV-Chefin Varnhagen auf.

Je größer die Not der Unternehmen, neue Mitarbeiter zu finden, desto mehr schrauben sie ihre Ansprüche zurück. "Im Gesundheitswesen werden mittlerweile Sprachkurse für Einwanderer gezahlt", sagt Varnhagen. Selbst bei der Wohnungssuche wird geholfen.

Die Flut von tausenden Bewerbern aus den Krisennationen stützt die Wirtschaft hierzulande. Doch sie könnte rasch wieder abebben. "Wanderungsbewegungen sind extrem konjunktursensibel", sagt IAB-Experte Brücker. Solange in Deutschland die Zahl der Stellen wachse, sei weiterhin mit einer steigenden Einwanderung zu rechnen. "Sollte der Arbeitsmarkt allerdings kippen, wird auch der Strom der Migranten unterbrochen", so Brücker.

Risiko Konjunkturflaute

Das Risiko ist nicht aus der Luft gegriffen: Im November fiel die sonst übliche Herbstbelebung am Arbeitsmarkt aus, die Zahl der offenen Stellen ging zurück. BA-Chef Frank-Jürgen Weise rechnet mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf drei Millionen im Januar. Immer mehr Unternehmen melden Kurzarbeit an, zuletzt der Lkw-Bauer MAN Börsen-Chart zeigen, Opel und ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen .

Langfristig wird sich nach Einschätzung von Experten jedoch nichts am Zuwanderungstrend ändern - im Gegenteil. "Die demografischen Faktoren und der Bedarf an Fachkräften sprechen für einen weiteren Anstieg der Beschäftigungschancen von Migranten in Deutschland", sagt OECD-Experte Liebig.

Hinzu kommt: Die Misere in Griechenland oder Spanien wird sich so schnell nicht in Luft auflösen.

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