Mittwoch, 11. Dezember 2019

General Motors GM streicht 2600 Stellen bei Opel - Standort Bochum vor dem Aus

Fahne von GM vor dem Bochumer Opel-Werk: Das Geschäft in den USA läuft gut - doch die Europa-Töchter sind in den roten Zahlen

General Motors hat mit seinen europäischen Tochter-Marken Opel und Vauxhall im dritten Quartal 500 Millionen Dollar Verlust gemacht. Bis 2015 will GM die Kehrtwende in Europa schaffen - mit einem rigiden Sparprogramm. Allein bis zum Jahresende streicht Opel 2600 Jobs.

Detroit - Der US-Autobauer General Motors (GM) will im verlustträchtigen Europa-Geschäft bis 2015 die Kehrtwende schaffen. Die Gewinnschwelle werde Mitte des Jahrzehnts erreicht, erste Verbesserungen in den Ergebnissen bereits im nächsten Jahr, kündigte die Opel-Mutter am Mittwoch an. "Wir haben noch viel Arbeit vor uns, vor allem in Europa", erklärte GM-Finanzchef Dan Ammann am Mittwoch anlässlich der Vorlage der Bilanz.

Durch die Verluste in Europa sank der Gesamtgewinn von GM um gut 14 Prozent auf 1,48 Milliarden Dollar. Für das abgelaufene dritte Quartal wies GM dennoch einen höheren Konzerngewinn aus als erwartet.

GM-Aktie haussiert

Der Umsatz legte um gut 2 Prozent zu auf 37,6 Milliarden Dollar und damit ebenfalls stärker als erwartet. Die Aktie von General Motors Börsen-Chart zeigen legte an der Wall Street um rund 7 Prozent zu.

In Europa stieg der Verlust den Angaben nach auf 478 Millionen Dollar von 292 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr erwartet GM allein für Europa einen Verlust zwischen 1,5 und 1,8 Milliarden Dollar. Die Marke Opel ist der Kernbestandteil des Europa-Geschäfts von GM. Seit Jahren belastet Opel die Bilanz des US-Konzerns, trotz zahlreicher Restrukturierungen und Stellenstreichungen. In den vergangenen zwölf Jahren liefen bei Opel Verluste von etwa 16 Milliarden Dollar auf.

GM streicht in Europa 2600 Stellen bis Jahresende - keine Kündigungen

GM streicht allein im laufenden Jahr rund 2600 Stellen bei Opel. Davon hätten seit Jahresbeginn bereits 2300 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Der Stellenabbau sei durch freiwillige Abfindungs- und Vorruhestandsangebote sowie durch natürliche Fluktuation erfolgt, hieß es. Opel leidet unter massiven Überkapazitäten und verhandelt derzeit mit Arbeitnehmervertretern über weitere Maßnahmen zur Kostensenkung.

GM bekräftigte auch seine Absicht, das Werk Bochum nach dem Auslaufen des derzeit dort gebauten Familienvans Zafira zu schließen. "Für das Opel-Werk Bochum ist nach dem Auslauf des aktuellen Zafira Tourer - vorbehaltlich weiterer Konsultationen - kein neues Produkt geplant", teilte Opel mit und bekräftigte damit frühere Pläne.

Demnach sollen in dem Werk nach 2016 kein Modell mehr vom Band laufen. Die Verhandlungen mit Gewerkschaft und Betriebsrat zu diesem Thema sind noch nicht abgeschlossen. Opel wolle die Produktionskapazitäten besser an die gesunkene Marktnachfrage anpassen. Die Krise in Europa werde die Nachfrage auch in den kommenden Jahren belasten. Bis 2015 will General Motors in Europa die Gewinnschwelle erreichen. Opel hat auch ein Werk in Eisenach.

Sein Hauptgeschäft hatte GM den Zahlen zufolge im dritten Quartal in Nordamerika gemacht und dort vor Zinsen und Steuern 1,8 Milliarden Dollar verdient. Für den Rest des Jahres rechnet der Konzern mit "ähnlichen oder leicht besseren" Zahlen als ein Jahr zuvor.

Lagerbestände werden zurückgefahren

Als Teil der Sparpläne fährt Opel nun seine Lagerbestände beim Unternehmen und seinen Händlern kräftig zurück. Seit Februar wurden sie um 100.000 Fahrzeuge gesenkt. Bis Jahresende sind weitere 20.000 Einheiten weniger geplant. In diesem Jahr werden die Fixkosten voraussichtlich um rund 300 Millionen Dollar gesenkt. Eine Reduktion um weitere 500 Millionen Dollar ist für den Zeitraum 2013 bis 2015 angepeilt, wie es hieß.

GM stellt sich aber trotz des Sparkurses auf weitere Jahre der Milliardenverluste bei Opel ein. Erst "Mitte des Jahrzehnts" rechnet GM mit schwarzen Zahlen bei der Europatochter, wie aus dem am selben Tag in Detroit veröffentlichten Zwischenbericht hervorgeht.

Opel produzierte im dritten Quartal nur noch 196.000 Autos nach 270.000 im Vorjahresquartal. Die Rüsselsheimer sollen zusammen mit dem französischen Konkurrenten PSA Peugeot Citroën vier Fahrzeugmodelle entwickeln, um damit der Absatzkrise in Europa zu trotzen. Die ersten Autos der Allianz sollen bis Ende 2016 auf den Markt kommen.

Unterdessen laufen die Verhandlungen zwischen IG Metall und Opel in Rüsselsheim weiter. Presseberichten zufolge geht es auch um Abfindungen für den freiwilligen Verzicht auf Jobs.

la/reuters/afp/dpa/apd

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