Freitag, 19. Juli 2019

Der Börsenstar wackelt Geht die Apple-Blütezeit zu Ende?

Apple-Logo: "Es sieht so aus, als ob dieses ikonische Unternehmen seine Blütezeit hinter sich hat", meint Hedgefondsmanager Doug Kass

3. Teil: Das Weihnachtsquartal - es geht in den kommenden Monaten um alles

Es geht in den kommenden Monaten also um alles. Bei 13,87 Dollar Gewinn je Aktie liegt die Latte - Apple selbst hatte sie sich auf bequeme 11,75 Dollar je Anteilsschein zurechtgelegt. Nun pflegt Apple seit jeher eine Guidance-Politik der verhaltenen Prognosen - besser als "uPoding" bekannt (under promise, over deliver) -, doch dieses Mal ist die Herausforderung für den iPhone-Hersteller ziemlich sportlich.

Mehr als 2 Dollar je Aktie muss er besser sein als seine eigenen Erwartungen, um lediglich das Vorjahrniveau zu erreichen? Das klingt gar nicht Apple-like.

Entsprechend kritisch fiel das Echo der Wall Street nach dem Zahlenwerk der vergangenen Woche aus. Erstmals seit Jahren hagelte es wieder mehrere Kursherabstufungen seitens der Analysten. Goldman Sachs? Der Platzhirsch der Investmentbranche kassierte bei seinem 12-Monatskursziel gleich mal 50 Dollar ein - auf 760 statt 810 Dollar taxiert Goldman-Analyst Bill Shope Apples Aufwärtspotenzial nach der Q4-Bilanz nun nur noch. "Wir haben unsere Schätzungen den wachsenden Bedenken angepasst", erklärte Shope in einer Kurzeinschätzung nach den jüngsten Quartalszahlen.

Goldman Sachs war mit seinem Downgrade keine Ausnahme: Auch Morgan Stanley, Merrill Lynch, die Deutsche Bank Barclays, Wells Fargo und sogar Apples wohl berühmtester Cheerleader, Gene Munster von Piper Jaffrey nahmen ihre Kursziele zurück.

Doug Kass: "Apple verliert seinen Geschmack"

Die vielleicht härteste Kritik formulierte der Vermögensverwalter Doug Kass. "Apple verliert seinen Geschmack", erklärte Kass nach der Bilanz des iPhone-Herstellers: "Es sieht so aus, als ob dieses ikonische Unternehmen seine Blütezeit hinter sich hat."

Der Hedgefondsmanager ist kein Leichtgewicht in der Branche: Kass sagte 2008 ebenso treffsicher die Finanzmarktkrise wie 2009 ihr Ende voraus. Anfang 2012 zählte Kass Apple zu den größten Überraschungen des kommenden Jahres - eine Einschätzung, mit der der Verwalter von Seabreeze Capital wieder ins Schwarze traf.

Seit Wochen sieht Kass den Wind nun jedoch drehen. Es fing mit dem Launch des neuen iPhones an. "Dies ist der erste Produkt-Launch ohne Wow-Faktor und ohne coole Produkte wie Samsungs Galaxy SIII oder das HTC One", befand der 63-jährige Wall Street-Veteran. Darüber mag man geteilter Meinung sein. Die fundamentalen Sorgen, die Aktionäre umtreiben dürften, sind kaum wegzudiskutieren: "Gibt es irgendjemand, der aktuell nicht in Apple investiert ist?", fragt Kass. Wie viele Fondsmanager haben die Aktie nach dem kometenhaften Aufstieg nicht übergewichtet? Die Bedenken dürften nach dem Weihnachtsquartal größer werden.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung