Montag, 22. Juli 2019

Der Börsenstar wackelt Geht die Apple-Blütezeit zu Ende?

Apple-Logo: "Es sieht so aus, als ob dieses ikonische Unternehmen seine Blütezeit hinter sich hat", meint Hedgefondsmanager Doug Kass

2. Teil: Die turmhohen Erwartungen an den Tech-Riesen

Was passiert da gerade in Cupertino? Ist es der Beginn der großen Zeitenwende, über den seit Jahren spekuliert wird? Allein die jüngste Quartalsbilanz in der vergangenen Wochen ist ein Alarmsignal.

Die iPod-Sparte fällt seit Jahren zweistellig - geschenkt, sie ist ein sterbendes Geschäft. Das Mac-Segment kann nur unter Aufbietung der kühnsten Kunstgriffe von Design-Guru Jonathan Ivy in Form des futuristischen MacBook Pro auf Vorjahresniveau gehalten werden.

Der jüngste Hoffungsträger, das iPad, kann die turmhohen Erwartungen noch nicht erfüllen. 100 Millionen verkaufte Geräte in zweieinhalb Jahren hin oder her - das Gewinnwachstum im vergangenen Quartal betrug "nur" noch 26 Prozent. Kein Analyst hatte so wenig erwartet.

Und dann ist da noch die Königsdisziplin, an der Wohl und Wehe des wertvollsten Konzerns der Welt hängt - das iPhone. Im abgelaufenen Quartal konnte Apple nur dank eines organisatorischen Geniestreichs von Tim Cook auf den letzten Metern die Bilanz retten. 27 Millionen iPhones gingen zwischen Juli und September über die Ladentische - mehr als fünf Millionen davon allein am ersten Verkaufswochenende des iPhone 5.

Sorge um iPhone-Absätze im Weihnachtsquartal

Doch zu welchem Preis das Husarenstück gelang, war an den Nebengeräuschen zu erahnen. Streiks und Massenschlägereien in den Produktionsstätten der Foxconn-Werke in China. Beanstandungen über einen lila Schatten auf Fotos der neuen Kamera, Beschwerden über eine leichtere Zerkratzbarkeit des empfindlicheren Gehäuses. Und dann das ganz große Desaster um den eigenen Kartendienst Maps, der Tim Cook eine öffentliche Entschuldigung abnötigte.

Es knirscht im Gebälk, doch Apple lieferte erneut und übertraf zumindest die eigenen Quartalserwartungen deutlich.

Einen anderen Preis muss Apple dennoch zahlen, und der tut dem erfolgsverwöhnten Tech-Konzern richtig weh. Die Millionen iPhones, die das September-Quartal retteten, fehlen nun im Jahresendgeschäft - dem mit Abstand wichtigsten Quartal des Jahres. Apple leistete sich den Luxus, im Weihnachtsquartal so tief zu stapeln, dass Ende Januar das eigentlich Undenkbare eintreten könnte.

Erstmals seit einer Dekade könnte Apple in einem Quartal weniger verdienen als im Dreimonatszeitraum des Vorjahres. Spätestens dann dürfte der Schwall der Abgesänge, Apple habe seinen Zenit überschritten, über dem Tech-Pionier losbrechen.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung