Nationale Schuldenbremse Frankreichs Parlament stimmt Fiskalpakt zu

Trotz Widerstands in der Regierungspartei hat der Fiskalpakt in Frankreich die erste parlamentarische Hürde sicher genommen. In der Nationalversammlung stimmte die große Mehrheit der Abgeordneten für den Vertrag zur Einführung nationaler Schuldenbremsen.
Klares Ergebnis: Frankreich verordnet sich eine Schuldenbremse

Klares Ergebnis: Frankreich verordnet sich eine Schuldenbremse

Foto: CHARLES PLATIAU/ Reuters

Paris - Dem französischen Präsidenten François Hollande ist eine Blamage erspart geblieben: Mit einer eigenen linken Mehrheit hat die Nationalversammlung am Dienstag den EU-Fiskalpakt verabschiedet. 477 der 568 anwesenden Abgeordneten ratifizierten den Vertrag, der eine stärkere Haushaltsdisziplin in der EU durchsetzen soll. 70 Parlamentarier, darunter die Mehrheit der Grünen und die Linksfront, stimmten dagegen.

Hollande begrüßte das Votum bereits wenige Minuten, nachdem Parlamentspräsident Claude Bartolone das Ergebnis verkündet hatte. "Die Linke ist vereint, um diesen Vertrag zu verabschieden und braucht die Stimmen der Rechten nicht", sagte der sozialistische Staatschef. "Diese breite Mehrheit gibt Frankreich die Möglichkeit, seine Stimme hören zu lassen".

Nach ersten Berechnungen stimmten mindestens 17 Abgeordnete der regierenden Sozialisten gegen den Pakt. Auch die Mehrheit der mitregierenden Grünen und die Linksfront lehnten den Text ab. Das vorab angekündigte Nein der Grünen hatte zu Debatten über den Verbleib der Öko-Partei in der Regierung geführt. 21 Abgeordnete enthielten sich.

Mit Ja votierten dagegen die meisten Parlamentarier der konservativen Oppositionspartei UMP. Das Vertragswerk geht auf eine Initiative von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem abgewählten konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy zurück.

Schuldenbremse soll nicht in Verfassung verankert werden

Der Pakt sieht unter anderem eine Schuldenbremse vor, die in Frankreich allerdings nicht in der Verfassung verankert werden soll. Bei einem Verstoß gegen die jährliche Defizitgrenze von 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung drohen automatisch Strafen. Der Pakt liefere "bessere Werkzeuge, um die Verpflichtung zu einem ausgeglichenen Haushalt umzusetzen", warb Finanzminister Pierre Moscovici vor der Abstimmung.

Hollande hatte im Wahlkampf Stimmung gegen den "Merkel-Sarkozy-Pakt" gemacht und die Ergänzung um eine Wachstumskomponente gefordert. Nachdem der EU-Gipfel Ende Juni einen milliardenschweren Wachstumspakt verabschiedet hatte, kündigte der Präsident die Ratifizierung an. Die Opposition kritisiert, dass Hollande keinerlei Änderung an dem Text durchsetzte, über den der Senat am Mittwoch abstimmen soll.

Der Pakt war bereits im März von den Staats- und Regierungschefs von 25 der 27 EU-Länder unterschrieben worden. Er soll nächstes Jahr in Kraft treten. In Deutschland billigten Bundestag und Bundesrat den Vertrag bereits. Das Bundesverfassungsgericht gab im September unter Auflagen grünes Licht.

kst/dpad
Mehr lesen über