Arbeitslose Frankreich reißt gefürchtete Drei-Millionen-Marke

Es ist eine bittere Krisenbilanz: Die Zahl der Arbeitslosen ist in Frankreich im 16. Monat in Folge gestiegen. Schon sind mehr als drei Millionen Franzosen ohne Job - und Frankreichs Präsident François Hollande bekommt den Unmut darüber immer heftiger zu spüren.
Frankreichs Präsident Hollande: "Arbeitslosigkeit ist geerbte Situation"

Frankreichs Präsident Hollande: "Arbeitslosigkeit ist geerbte Situation"

Foto: HANDOUT/ REUTERS

Paris - Die Zahl der Arbeitslosen hat in Frankreich die symbolische Marke von drei Millionen überschritten. Dies ist der höchste Stand seit mehr als 13 Jahren. Im August waren in der zweitgrößten Euro-Volkswirtschaft 3,011 Millionen Menschen auf Jobsuche, wie die Regierung am Mittwochabend mitteilte. Die Zahlen stiegen den 16. Monat in Folge.

Die Arbeitslosenquote in Frankreich liegt mittlerweile fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Nach jüngsten Zahlen der Europäischen Statistikbehörde Eurostat lag sie in Frankreich im Juli bei 10,3 Prozent, in Deutschland hingegen nur bei 5,5 Prozent in der Eurostat-Rechnung; die Bundesagentur für Arbeit legt eine strengere Auslegung der Arbeitslosigkeit zugrunde und beziffert die Arbeitslosigkeit hierzulande deshalb aktuell mit 6,8 Prozent.

Die Entwicklung auf Frankreichs Arbeitsmarkt ist allerdings nicht überraschend. Bereits Anfang des Monats hatte der zuständige Minister Michel Sapin angekündigt, dass im August die Marke von drei Millionen übertroffen wurde. Er nannte jedoch keine konkrete Zahl.

Die Krise auf Frankreichs Arbeitsmarkt belastet mittlerweile auch den neuen sozialistischen Präsidenten François Hollande. Er steht unter Druck, Frankreichs Arbeitsmarkts möglichst tiefgreifend zu reformieren. Rund vier Monate nach Amtsantritt sind Hollandes Popularitätswerte allerdings drastisch eingebrochen, bevor er damit entscheidend vorangekommen wäre. 56 Prozent der Franzosen sind aktuellen Umfragen zufolge unzufrieden mit ihm und seiner Politik.

Hollande versicherte am Mittwoch, alles Mögliche zu tun, um die Beschäftigungssituation in Frankreich zu verbessern. Zugleich rechtfertigte sich der Staatspräsident. Die drei Millionen Arbeitslosen seien kein Ergebnis der vergangenen vier Monate. "Es ist eine Situation, die wir geerbt haben", sagte Hollande am Rande der UNO-Vollversammlung in New York.

kst/afp/dpa
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