Mohammed-Karikaturen Deutsche Botschaften bleiben Freitag zu

Nachdem aufgebrachte Moslems vor einer Woche die deutsche Botschaft im Sudan angezündet haben, reagiert die Bundesregierung vorbeugend: Am morgigen Freitag sollen viele Vertretungen in der arabischen Welt geschlossen bleiben. Grund: Es kündigen sich bereits neue Proteste an.
Protestierende Moslems: Am morgigen Freitag werden erneut Ausschreitungen befürchtet

Protestierende Moslems: Am morgigen Freitag werden erneut Ausschreitungen befürchtet

Foto: Ahmad Jamshid/ AP

Berlin - Aus Sorge vor neuen Protesten bleiben an diesem Freitag zahlreiche deutsche Botschaften in der islamischen Welt komplett geschlossen. Darüber hinaus wird nach Angaben von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zusätzlicher Schutz für andere deutsche Einrichtungen geprüft.

Wegen eines islamfeindlichen Videos über den Propheten Mohammed hatte ein Mob vor einer Woche die deutsche Botschaft in Sudans Hauptstadt Khartum in Brand gesetzt. Zudem gibt es Sorgen wegen der Veröffentlichung von neuen Mohammed-Karikaturen in Frankreich.

In der islamischen Welt sind viele Botschaften freitags ohnehin geschlossen. In mehreren Ländern bekamen die deutschen Diplomaten jetzt aber zusätzlich die Anweisung, den Botschaften unbedingt fernzubleiben. Über weitere Schließungen werde "lageabhängig" entschieden, sagte Westerwelle. "Das kann sich auch sehr kurzfristig ergeben."

Zugleich bekräftigte er: "Keine Karikatur und kein noch so schändliches Video rechtfertigen Gewalt gegen unsere Botschaften und Auslandsvertretungen."

Zum Hintergrund: Vor den Freitagsgebeten in der islamischen Welt erwartet der Westen mit Anspannung, ob die bitterbösen Mohammed-Karikaturen eines Pariser Satire-Magazins neue Unruhen entfachen. In Nordafrika wurden zahlreiche französische Institute und Schulen vorsorglich geschlossen. Die USA machten ihre Vertretungen im muslimischen Indonesien dicht.

In Afghanistan kam es am Donnerstag bereits zu ersten Protesten, die sich nicht mehr nur gegen das islamfeindliche Video aus den USA, sondern auch gegen die Karikaturen richten. Allen Befürchtungen zum Trotz will das Magazin "Charlie Hebdo" am Freitag mit einer zweiten Auflage an die Kioske.

In vielen islamischen Ländern rund um den Globus kocht seit mehr als einer Woche Wut über das Mohammed-Schmähvideo hoch. Etliche Menschen starben bei Krawallen, unter ihnen der US-Botschafter in Libyen. Davon unbeeindruckt provozierte "Charlie Hebdo" mit seitenweise Karikaturen, die mindestens an die Grenze der Geschmacklosigkeit gehen. Einige Zeichnungen zeigen den Propheten nackt in unsittlichen Posen oder unterstellen ihm abartige sexuelle Praktiken.

cr/dpa-afx
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