Deutliches Votum Deutsche misstrauen EZB-Chef Draghi

Vertrauen ist eines der höchsten Güter der Zentralbank. Doch das bringen viele Deutsche dem Chef der Europäischen Zentralbank nicht mehr entgegen, zeigt eine Umfrage. Offenbar misstraut ein großer Teil der größten Bevölkerungsgruppe Europas dem EZB-Chef tief.
EZV-Chef Mario Draghi: Wenig Vertrauen in seine Entscheidungen bei vielen Bundesbürgern

EZV-Chef Mario Draghi: Wenig Vertrauen in seine Entscheidungen bei vielen Bundesbürgern

Foto: AFP

Hamburg - Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), ist bei den Deutschen laut einer Umfrage nicht sonderlich beliebt. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Befragung für die Zeitschrift "Stern" haben 42 Prozent der Bürger kein oder nur geringes Vertrauen in den 65 Jahre alten Notenbankchef.

Nur 18 Prozent der Deutschen schätzen den obersten Währungshüter der Euro-Zone. 31 Prozent kennen Draghi nicht, weitere 9 Prozent haben keine Meinung. Befragt wurden rund Tausend repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger.

Besonders kritisch wird der EZB-Präsident von den Wählern der Linken gesehen: Laut der Umfrage sagen 62 Prozent, sie hätten kein Vertrauen in ihn. Am besten schneidet Draghi bei den Wählern der Grünen ab: Hier stehen 32 Prozent hinter ihm, 39 Prozent haben kein Vertrauen.

Die EZB wird an diesem Donnerstag aller Voraussicht nach Regeln für einen Ankauf von Staatsanleihen notleidender Euro-Staaten bekanntgeben. Wie schon bei ihren ersten Anleihekäufen, die sie mit der Griechenland-Krise im Frühjahr 2010 aufgenommen hatte, will die Notenbank die Käufe offenbar "sterilisieren". Das bedeutet, dass sie die zusätzliche Liquidität infolge der Käufe an anderer Stelle wieder aus dem Markt nehmen wird.

Bereits jetzt führt die EZB wöchentliche Geschäfte mit den Euroraum-Banken durch, um die Liquidität aus den bisherigen Anleihekäufen - zurzeit etwas mehr als 200 Milliarden Euro - wieder einzusammeln. Dieses Vorgehen, mit dem Inflationsrisiken vorgebeugt werden soll, hat bis auf wenige Ausnahmen funktioniert.

Die Anleihekäufe werden vor allem vom deutschen Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann strikt abgelehnt.

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