Schwarzgeld Liechtenstein plant Steuerabkommen mit Deutschland

Das Fürstentum Liechtenstein will künftig Steuerinformationen mit Deutschland austauschen. Im Unterschied zum geplanten Steuerabkommen mit der Schweiz hätten Steuersünder aber keine Möglichkeit, ihre Identität zu verbergen.
Wappen des Fürstentums: Liechtenstein als Steuerparadies - das soll bald Vergangenheit sein

Wappen des Fürstentums: Liechtenstein als Steuerparadies - das soll bald Vergangenheit sein

Foto: ARND WIEGMANN/ REUTERS

Zürich - Liechtenstein denkt über die Einführung eines automatischen Austausches von Steuerinformationen mit Deutschland nach. "Wir machen diese Analyse, indem wir die kommenden Regulierungen anschauen, ebenso die Kosten und die Haftungsfragen für die einzelnen Institute und deren Mitarbeiter bei der Abgeltungssteuer", sagte Ministerpräsident Klaus Tschütscher der Zürcher Zeitung "Tages-Anzeiger".

Zwischen Deutschland und dem Fürstentum gibt es seit Jahren Streit über Schwarzgeld von Bundesbürgern, die ihr Vermögen in Liechtenstein verstecken. Liechtenstein möchte mit Deutschland ein Steuerabkommen abschließen, wie es auch mit der Schweiz ausgehandelt, aber noch nicht beschlossen wurde.

Die Schweizer Abgeltungssteuer sieht vor, dass die Banken die Steuern erheben und den deutschen Finanzämtern zukommen lassen. Der Kunde bleibt dabei anonym. Beim automatischen Informationsaustausch kann der Kunde seine Identität dagegen nicht mehr schützen. Das Abgeltungssteuer-Abkommen droht aber im Herbst am Widerstand der Opposition im deutschen Parlament zu scheitern. Dann müsste sich auch Liechtenstein nach einer neuen Lösung umsehen.

Für die Liechtensteiner Banken habe die Einführung des Schweizer Abgeltungssteuer-Modells den Nachteil, dass dieses für die Banken aufwändig und zudem mit Haftungsfragen verbunden sei. "Die Einführung einer Abgeltungssteuer braucht viele Mitarbeiter, die erst einmal die nötigen Qualifikationen brauchen, um genau zu wissen, was in welchem Land unter welche Steuer fällt", sagte Tschütscher.

Abschied von der Steueroase

"Wenn sie 40 Prozent Steuer von den Kapitalerträgen einziehen müssen und erst noch Gefahr laufen, dass auch mal etwas schiefläuft, nur um die Anonymität der Kunden zu behalten, ist das aus Bankensicht nicht sehr vorteilhaft." Man könne sich fragen, "ob ein automatischer Datenaustausch in Teilbereichen mitunter nicht effizienter und für uns attraktiver wäre, weil dann der betroffene Staat selbst alle steuerlichen Qualifikationsfragen vornehmen muss und auch den Aufwand hat", sagte Tschütscher.

2008 hatten ein Datendiebstahl bei der Fürstenbank LGT und die spektakuläre Festnahme von Ex-Postchef Klaus Zumwinkel die Finanzszene im Fürstentum verunsichert und Kunden zum Rückzug veranlasst. Doch von der Strategie als Steueroase hat sich Land inzwischen verabschiedet und stellt stattdessen die Sicherheit des Finanzplatzes in den Vordergrund.

mahi/rtr
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