Bundesbank-Chef Merkel überredete Weidmann zum Bleiben

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte offenbar erwogen, seinen Job aufzugeben - aus Frust über die Geldgeschenkstrategie der Europäischen Zentralbank zugunsten europäischer Krisenstaaten.Jetzt berichten Medien, dass Kanzlerin Angela Merkel ihn persönlich zum Bleiben überredete.
Bundesbank-Chef Jens Weidmann: Frustriert über den riskanten Kurs der Europäischen Zentralbank

Bundesbank-Chef Jens Weidmann: Frustriert über den riskanten Kurs der Europäischen Zentralbank

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Im Richtungsstreit über Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einem Zeitungsbericht zufolge persönlich für den Verbleib von Jens Weidmann an der Spitze der Bundesbank eingesetzt, damit er in der EZB weiter seine Position vertreten könne. Dies berichtete die "Bild"-Zeitung am Samstag unter Berufung auf Finanz- und Regierungskreise.

Weidmann und Merkel hätten ein intensives Gespräch im Kanzleramt geführt, schrieb das Blatt. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble habe Weidmann in einem weiteren Gespräch zum Bleiben gedrängt. Die Zeitung hatte am Freitag berichtet, Weidmann habe wegen des sich abzeichnenden Anleihekaufprogramms der EZB zugunsten klammer Euro-Länder in den vergangenen Wochen mehrfach seinen Rücktritt erwogen. Bundesbank wie auch Weidmann hatten den Bericht nicht bestätigen wollen.

Die Zeitung berichtete zudem, die Bundesregierung habe intern darauf gedrungen, dass Weidmann im Amt bleibe. Dass sich Merkel offenbar sogar persönlich einsetzte, war bislang nicht bekannt. Vize-Regierungssprecher Georg Streiter wollte sich Freitag dazu nicht direkt äußern, und sagte lediglich, Merkel stärke Weidmann den Rücken, dass er möglichst viel Einfluss innerhalb der EZB habe.

Der Bundesbank-Präsident wehrt sich vehement dagegen, dass die EZB im Kampf gegen die Schuldenkrise weitere Staatsanleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien kauft. Nach seiner Überzeugung verstößt die Notenbank damit gegen das Verbot der Staatsfinanzierung mit Hilfe der Notenpresse. Mit dieser Haltung steht Weidmann im obersten Entscheidungsgremium der EZB, dem Rat, im Grunde alleine da.

Weidmanns Vorgänger Axel Weber und EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hatten ihre Ämter im Streit um den geldpolitischen Kurs der EZB niedergelegt. Auch Weidmann, zuvor Wirtschaftsberater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), setzt sich seit seinem Amtsantritt im Mai 2011 für eine klare Trennung von Geld- und Fiskalpolitik ein. Die EZB hat vor allem den Auftrag, die Inflation im Zaum zu halten und so für stabile Preise in den inzwischen 17 Staaten mit der Gemeinschaftswährung Euro zu sorgen.

EZB-Präsident Mario Draghi betonte dagegen in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung "Die Zeit", Angst und Irrationalität an den Kapitalmärkten mit entsprechenden Folgen erforderten außergewöhnliche Maßnahmen. Die EZB bereitet ein neues Aufkaufprogramm für Staatsanleihen vor. So sollen die Zinslasten für Krisenstaaten gedrückt werden. Details des Programms werden bei der nächsten EZB-Sitzung kommende Woche Donnerstag erwartet.

kst/rtr
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