Mehr Arbeitsplätze Industrie macht Finanzkrisendelle wett

In der deutschen Industrie arbeiten wieder so viele Menschen wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Im Juni hatten 5,201 Millionen Frauen und Männer einen Arbeitsplatz im verarbeitenden Gewerbe. Damit hat Deutschlands Industrie die Jobverluste während der Finanzkrise mehr als ausgeglichen.
Deutsche Industrie: Jobaufbau hält noch an

Deutsche Industrie: Jobaufbau hält noch an

Foto: Corbis

Trotz sinkender Aufträge beschäftigt die deutsche Industrie so viele Mitarbeiter wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Das Verarbeitende Gewerbe zählte im Juni etwas mehr als 5,2 Millionen Beschäftigte - rund 128.000 oder 2,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das ist der höchste Stand seit Dezember 2008, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Das war nur wenige Wochen nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, der als Fixpunkt der Finanzkrise gilt - und in dessen Folge Deutschland in die schwerwiegendste Rezession seit Jahrzehnten abgedriftet war.

Besonders stark sei die Zahl der Beschäftigten im Maschinenbau gestiegen. Hier meldete das Bundesamt für Juni einen Zuwachs im Jahresvergleich von 4,7 Prozent. Außerdem hätten auch die Unternehmen in der IT-Branche, im Bereich elektronischer und optischer Erzeugnisse und in der Autoindustrie verstärkt neue Mitarbeiter eingestellt.

Einen vergleichsweise geringen Zuwachs der Beschäftigten habe es hingegen in der Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln gegeben, hieß es weiter. Hier meldete das Bundesamt für Juni nur einen Anstieg um 1,3 Prozent im Jahresvergleich. Auch in der chemischen Industrie sei der Stellenzuwachs mit 1,0 Prozent vergleichsweise schwach ausgefallen.

Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden nahm um 7,0 Prozent auf 664 Millionen zu. "Dabei ist zu berücksichtigen, dass im Berichtsmonat ein Arbeitstag mehr gearbeitet wurde als im Juni 2011", hieß es. Die Löhne und Gehälter summierten sich auf rund 21,1 Milliarden Euro - ein Plus von 6,0 Prozent.

Aus der Industrie kam wegen der Schuldenkrise und der schwächeren Weltkonjunktur zuletzt allerdings eine Serie schlechter Nachrichten, die schwächere Geschäfte signalisieren. Aufträge und Produktion schrumpften, der Einkaufsmanagerindex fiel auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Bei einer drohenden Flaute trennen sich die Unternehmen in der Regel zuerst von Leiharbeitern, die aber in dieser Statistik nicht erfasst sind. Aktuell zeigt sich Deutschlands Arbeitsmarkt allerdings noch robust mit einer Arbeitslosenrate vonaktuell 6,8 Prozent - deutlich besser als in vielen anderen europäischen Staaten, aber weiterhin auch deutlich schlechter als etwa in Österreich oder der Schweiz.

Die Differenz zur Lage in vielen südeuropäischen Staaten ist mittlerweile aber so groß, dass verstärkt junge Frauen und Männer von dort nach Deutschland drängen, um hierzulande einen Job zu finden. Damit besteht für Deutschlands Unternehmen erstmals seit Jahrzehnten wieder die Chance, teils hochqualifizierte Zuwanderer hierzulande einzustellen.

kst/dpa-afx/rtr
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