US-Notenbank Fed zögert mit Konjunkturspritze

Trotz der Wirtschaftsflaute verzichtet die US-Notenbank Fed vorerst auf weitere Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft. Auch der Leitzins bleibt unverändert. Anleger reagierten enttäuscht.
US-Notenbankchef Bernanke: Erst mal abwarten wie sich die Euro-Krise entwickelt und was die EZB heute macht

US-Notenbankchef Bernanke: Erst mal abwarten wie sich die Euro-Krise entwickelt und was die EZB heute macht

Foto: REUTERS

Washington - Die Konjunktur habe in der ersten Jahreshälfte etwas Tempo verloren und auch der Arbeitsmarkt sei noch weit von Normalität entfernt, erklärte der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Fed. Den Leitzins beließen die Notenbanker um Chef Ben Bernanke wie erwartet bei null bis 0,25 Prozent. Zudem signalisierten sie erneut, den Schlüsselzins bis tief ins Jahr 2014 hinein auf ultraniedrigem Niveau belassen zu wollen.

An der Wall Street drehte der Dow-Jones-Index  nach dem Zinsbeschluss ins Minus. "Die Märkte sind enttäuscht", sagte Ökonom Steven Ricchiuto von Mizuno Securities. "Das ist doch absolut dünn. Offenbar gibt es interne Debatten in der Fed."

Die Notenbanker fassten die Textpassage zu möglichen Hilfen für die Konjunktur allerdings etwas konkreter als im Juni. Damals hatten sie lediglich Bereitschaft bekundet, weitere Maßnahmen zu ergreifen.

Manche Experten halten es für wahrscheinlich, dass zumindest das Niedrigzinsversprechen bei einer weiterhin schleppenden Wirtschaftsentwicklung in den kommenden Wochen und Monaten auf Ende 2015 verlängert wird. Dabei dürften die Notenbanker aber auf Widerstand bei Fed-Mitglied Jeffrey Lacker stoßen, der sich auf der jüngsten Sitzung bereits gegen einen festen Zeithorizont für das Bekenntnis ausgesprochen hatte.

Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal enttäuschend

Zugleich könnte es auf der September-Sitzung der Notenbank wieder spannender zugehen, wenn Bernanke nach dem Zinsbeschluss vor die Presse tritt: Dann liegen die aktualisierten Konjunktur- und Zinsprognosen der Mitglieder des Offenmarktausschusses vor. Sollten diese substanziell nach unten revidiert werden, könnte die Fed bereits mit einer Konjunkturspritze reagieren.

Die Wirtschaftsleistung war im zweiten Quartal mit aufs Jahr hochgerechnet 1,5 Prozent enttäuschend ausgefallen. Auch die weiterhin hohe Arbeitslosenrate von 8,2 Prozent bereitet den Notenbankern nach wie vor Kopfzerbrechen. Zudem schwächelt die Industrie, während sich am Häusermarkt zumindest eine Besserung abzeichnet.

Das Konjunkturbild könnte sich aber im Spätsommer oder Herbst weiter eintrüben und die Fed noch zu einer dritten geldpolitischen Lockerung in großem Stil (QE3) bewegen. Durch die ersten beiden Runden von Wertpapierankäufen im Volumen von 2,3 Billionen Dollar war die Fed-Bilanz allerdings bereits kräftig aufgebläht worden.

Banger Blick auf die Euro-Krise

Gespannt blicken die US-Geldpolitiker auch auf zwei Schlüsselfaktoren für die Konjunkturentwicklung, auf die sie keinen Einfluss haben. Zum einen müssen die USA mit massiven Folgen rechnen, falls jenseits des Atlantiks die europäische Währungsgemeinschaft ihre tiefgreifende Krise nicht in den Griff bekommen sollte.

EZB-Chef Mario Draghi hat mit seinem Bekenntnis zur Rettung des Euro allerdings höchste Erwartungen an die heutige Ratssitzung geweckt. Anleger interpretierten seine Worte als Ankündigung unbegrenzter Käufe von Anleihen schuldengeplagter Staaten wie Spanien oder Italien.

Zum anderen laufen Ende des Jahres Steuervergünstigen und Ausgabenprogramme in den USA aus. Experten warnen hinsichtlich dieser sogenannte "Haushaltsklippe" (fiscal cliff) bereits vor Rezessionsrisiken. Dieses Problem wird auch der US-Kongress vor Augen haben, der wahrscheinlich nicht vor den Präsidentenwahlen Anfang November eine Verlängerung der Programme angehen wird.

mg/rtr
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