Gefährliche Entwicklung Anleger ziehen Milliarden aus Spanien ab

Der Strudel wird stärker: Anleger bringen immer größere Milliardenbeträge aus dem wankenden Spanien in Sicherheit. Die Krise um die marode Großbank Bankia hat die Kapitalflucht zuletzt noch beschleunigt. In Katalonien fehlt bereits Geld für Alten- und Pflegeheime.
Geld abheben: Spanien leidet unter Kapiatlabfluss

Geld abheben: Spanien leidet unter Kapiatlabfluss

Foto: Daniel Ochoa de Olza/ AP

Madrid - Die Bankenkrise in Spanien hat eine Kapitalflucht aus dem Land ausgelöst. Allein im Monat Mai seien 41,3 Milliarden Euro aus Spanien abgezogen worden, teilte die Madrider Zentralbank am Dienstag mit. Dies sei mehr als viermal so viel wie im entsprechenden Vorjahresmonat.

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres zogen Anleger nach Angaben der Zentralbank eine Rekordsumme von insgesamt 163 Milliarden Euro aus Spanien ab. Dieser am Dienstag von der Zentralbank in Madrid veröffentlichte Wert ist der höchste seit Beginn der entsprechenden Statistiken im Jahr 1990. Schon jetzt wurde mehr Kapital aus Spanien abgezogen als im gesamten vergangenen Jahr.

Beschleunigt hat sich der Trend raus aus Spanien offenbar, seit im Mai die Krise um die marode Großbank Bankia ausgebrochen war; sie benötigt vom Staat zur Sanierung ihrer Bilanzen bisher 24,5 Milliarden Euro. Mittlerweile spüren aber auch spanische Institute die Krise im Inland, die bisher solide dastanden.

Die zweitgrößte spanische Bank BBVA etwa hat im Halbjahr einen Gewinnrückgang um mehr als ein Drittel verbucht. Der Nettogewinn sank um 35 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, wie die Bank am Dienstag mitteilte. Grund für den Rückgang waren Auflagen der Regierung, die im Zuge des Platzens der Immobilienblase erlittenen Verluste in der Bilanz zu verarbeiten.

Spaniens Provinzen in Not

Zu den Kapialgebern auf Rückzug gehört auch die Deutschen Bank . Sie hat hat ihr Risiko im angeschlagenen spanischen Bankensektor im ersten Halbjahr deutlich reduziert. Dennoch hatte die Bank Ende Juni noch knapp 4,5 Milliarden Euro bei spanischen Finanzinstituten im Feuer. Das war rund ein Fünftel oder 1,25 Milliarden Euro weniger als noch Ende 2011, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Geschäftsbericht der Bank hervorgeht. Auch bei anderen spanischen Unternehmen reduzierte die Bank ihr Risiko - dort sank das Engagement um rund 10 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro.

Die Finanzkrise bewegte die Region Katalonien zu einer drastischen und ungewöhnlichen Entscheidung. Die Regierung der wirtschaftsstärksten Region in Spanien gab bekannt, dass sie den Betreibern von staatlich subventionierten Alten- und Pflegeheimen die für Juli fälligen Gelder vorerst nicht auszahlen könne. Dabei geht es nach Medienberichten um einen Betrag von etwa 400 Millionen Euro.

Die Leiter von rund 300 Heimen protestierten gegen die Entscheidung. In einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft warnten sie davor, dass bei einem Ausbleiben der Gelder pflegebedürftige Menschen nicht versorgt werden könnten und in einzelnen Fällen sogar das Leben von Heimbewohnern in Gefahr geraten könne. "Wenn die finanziellen Mittel ausbleiben, können wir unseren Pflegedienst nicht verrichten und den Bewohnern keine Mahlzeiten servieren", sagte ein Heimleiter der Online-Zeitung "elpais.com".

Katalonien ist hoch verschuldet und erwägt, den spanischen Zentralstaat in Madrid um finanzielle Hilfen zu bitten. Die Regionalregierung in Barcelona führt ihre Finanzprobleme darauf zurück, dass Katalonien für die Finanzen ärmerer Region mitaufkommen müsse. Sie verlangt, dass die Katalanen künftig eigenständig ihre Steuern eintreiben dürfen.

kst/afp/dpa-afx/rtr
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