Montag, 23. September 2019

Nach Moody's-Warnschuss Merkel-Kritiker in den USA werden leiser

US-Finanzminister Geithner (r.) fliegt heute nahezu lautlos bei Schäuble auf Sylt ein

3. Teil: "Es fehlt der Wille, nicht die Fähigkeit"

Im Lichte dieser neuen Sichtweise könnte der Warnschuss von Moody's das Gegenteil dessen erreichen, was er sollte: Die Bundesregierung zu mehr Eile zu drängen. Doch internationale Beobachter - und so manche Abgeordnete in Berlin - scheinen zu einem anderen Schluss zu kommen.

Das gilt auch für einige Analysten bei den internationalen Großbanken. "Die Opposition gegen weitere Unterstützung für Rettungspakete wird jetzt stärker", sagt Christian Schulz bei der Berenberg Bank in London vorher. "Die Entscheidung von Moody's ist für die Peripherie in Europa eine schlechtere Nachricht, als für die betroffenen AAA-Länder selbst", hieß es nach der Entscheidung. Es gibt aber auch Volkswirte, die sehen das ganz anders.

Eine Rezession im eigenen Land würde den Deutschen vor Augen führen, wie sehr sie abhängig von den Exporten in andere Länder Europas sind. Das könnte den Willen zu weiteren Rettungspaketen fördern. "Woran es wirklich hapert", sagt der Wirtschaftsprofessor Randall Henning an der American University in Washington mit Blick auf die Deutschen, "ist der Wille zum Helfen, nicht die Fähigkeit dazu".

Soros: "Höhepunkt der Krise im Herbst"

Deutschland könnte seinen Nachbarn mehr Sympathie zeigen, kritisiert auch Douglas Elliott bei der Brookings Institution in Washington. "Deutschland hat bisher nicht unter dieser Krise gelitten", erklärt Elliott, "das hat es schwieriger gemacht, die Wähler davon zu überzeugen, dass Deutschland stark am Wohlergehen seiner Nachbarn interessiert sein muss."

Finanzgurus wie Warren Buffett und George Soros halten das für Unsinn. Soros hat der Bundesregierung bekanntlich vorhergesagt, sie habe nur noch drei Monate, um den Euro zu retten. "Die Krise wird im Herbst ihren Höhepunkt erleben", sagt Soros, "bis dahin wird die deutsche Wirtschaft so schwach sein, dass Angela Merkel es noch schwerer haben wird, die deutsche Öffentlichkeit für weitere Rettungsmaßnahmen zu gewinnen."

Soros hält die Krise in der Euro-Zone mehr für ein Bankenproblem und eine Wettbewerbsfrage, als für ein Haushaltsproblem. Seine Prognose: Europa wird als "deutsches Imperium" enden, mit der Peripherie als Hinterland von Berlin. Soros fordert wie Frankreichs Präsident Hollande eine Wachstumsinitiative. Die Europäer haben mit der verbreiteten Sparpolitik seiner Meinung nach "die falsche Medizin" verabreicht. Buffett empfiehlt dagegen eine zügige politische Integration Europas.

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