Mittwoch, 18. September 2019

Ökonomen warnen Deutschland droht als Euro-Retter einzuknicken

Milliardenrechnung: Die deutsche Stütze für Griechenland im Überblick
REUTERS

Warnung in vielleicht letzter Sekunde: Ökonomen warnen vor der Überlastung Deutschlands als Euro-Retter. Wenn die Krise weiter grassiere, drohe Deutschland einzuknicken - und Europa seinen Stabilitätsanker zu verlieren.

Berlin - Die Bundesbürger sind in großer Sorge: Sie kauften zuletzt weniger ein, aus Furcht vor dem Abwärtsstrudel, in den Deutschland als Haupt-Euro-Retter mit hineingezogen werden könnte. Gestern reagierten die Finanzexperten der US-Ratingagentur Moody's - und stuften die Aussichten für die Kreditwürdigkeit Deutschlands ab.

Jetzt reagieren auch führende Ökonomen und Politiker auf die Gefahr, dass sich Deutschland - angetrieben von den Krisenstaaten in Deutschland - zu tief in der vermeindlichen Retterrolle verstrickt.

"Europa steuert schlafwandelnd auf eine Katastrophe von unabsehbaren Ausmaßen zu", heißt es in einem Gutachten von 17 europäischen Ökonomen. Das Zusammenspiel der Finanzmarktreaktionen, schlecht konstruierter europäischer Institutionen und nicht nachhaltiger Politik in vielen Staaten der Euro-Zone treibe die europäische Wirtschaft in Richtung einer tiefen Rezession - auch der heutige Ifo-Konjunkturindikator für Deutschland weist auf eine klare Wachstumsbremse hierzulande hin. Und der Drift könne selbst zum Auseinanderbrechen der Euro-Zone führen, warnen die Forscher.

Das Erstaunliche dabei: Jetzt rebellieren nicht nur deutsche Ökonomen vor der möglichen Überlastung der Bundesbürger. Auch internationale Experten geben Forderungen nach Euro-Bonds und einer langfristigen Transferunion auf, die insbesondere Deutschland auf viele Jahre zusätzlich zu den inländischen Defiziten Deutschlands belasten würde - auch, wenn sie die Unterstützung der Krisenstaaten durch Deutschland für unabdingbar halten.

Der Wirtschaftsweise Lars Feld, einer der 17 Gutachter, nannte den kritischen Ausblick von Moody's für Deutschland dann auch berechtigt. Er plädierte allerdings dafür, Griechenland in der Euro-Zone zu halten. Ein drittes Rettungspaket dürfe es aber nicht geben, wenn die Regierung in Athen Auflagen nachweislich nicht erfüllt habe, sagte der Freiburger Ökonom der "Rheinischen Post".

"Der letzte Anker droht auszureißen"

Auch die internationale Presse ist erschrocken über die neue Dimension der Krise. "Der letzte Anker der Euro-Zone droht auszureißen", warnt die niederländische Zeitung "de Volkskrant" - und spielt damit auf Deutschlands aktuelle Rolle in Europa an.

Mit seinem negativen Ausblick halte Moody's Europa einen Spiegel vor. "Die Botschaft ist, dass die Kosten der Euro-Krise unbeherrschbar zu werden drohen. Für die Länder mit AAA-Rating geht es nun um Biegen oder Brechen, und beide Optionen sind unglaublich teuer", schreibt "de Volkskrant".

Auch das Münchner Ifo-Institut sieht in der neuen Bewertung Deutschlands durch Moody's eine deutliche Warnung. "Wir sehen uns in unserer Analyse bestätigt, dass auch Rettung ansteckend sein kann", sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Wenn Griechenland zahlungsunfähig werde und aus der Eurozone ausscheide, müsse Deutschland mit bis zu 89 Milliarden Euro Verlust rechnen, ergab eine Analyse des Instituts.

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