Dienstag, 12. November 2019

Staus zu lang Nächste China-Metropole kappt Neuwagenverkäufe

Aufstrebende Metropole: In Guangzhou wächst der Autoverkehr rapide, während die Lebensqualität sinkt

China, das Traumland der deutschen Autoindustrie, erstickt im Verkehr. Nach Peking und Shanghai hat deshalb die nächste Metropole den Verkauf von Autos scharf reglementiert. Die Acht-Millionen-Einwohner-Stadt Guangzhou will auf diese Weise Staus und Smog in den Griff bekommen.

Peking - Für deutsche Automanager ist China derzeit so etwas wie eine Beruhigungspille. So schmerzhaft die Absatzkrise auf dem europäischen Automarkt auch sein mag, die boomenden Verkäufe in der Volksrepublik werden die Bilanz schon retten.

Zunehmend scheint es jedoch, als verliere die Medizin ihre Wirkung: Im Reich der Mitte ist vielerorts gar kein Platz mehr für die ständig wachsende Flotte von privaten Autos. Der wachsende Autoverkehr lähmt inzwischen viele Innenstädte, die Verwaltungen wissen sich nur noch mit Verboten zu helfen.

Deshalb hat am Wochenende die Acht-Millionen-Stadt Guangzhou mit einem Schlag die Zahl der monatlichen Zulassungen auf 10.000 begrenzt, wie die Nachrichtenagentur Reuters und mehrere Fachportale berichten. Auf diese Weise will die Stadtverwaltung den Verkehrskollaps lindern und die Luftqualität erhöhen.

Zuletzt hatte die durchschnittlich Geschwindigkeit der Autos in Guangzhou nur noch 20 Stundenkilometer betragen. Mit dem Fahrrad und erst recht den in China beliebten Elektrorollern sind Pendler deutlich schneller unterwegs, sofern sie sich an den Blechlawinen vorbeidrängeln können.

Tanklaster explodiert - 20 Tote

Der wachsende Verkehr provoziert immer wieder schwere Unfälle. Erst am Freitag waren 20 Menschen in Guangzhou ums Leben gekommen, als ein mit Benzin befüllter Tanklaster auf einer Stadtautobahn explodierte.

Peking hatte ein vergleichbare Regulierungsmaßnahme bereits im Januar vergangenen Jahres ergriffen. Dort dürfen nur im Monat 20.000 neue Autos auf die Straßen. Auch in Shanghai ist die Zulassung neuer Wagen reglementiert.

Der chinesische Automarkt ist derzeit ohnehin weit von seinen früheren Zuwachsraten entfernt und legt nur noch mit einstelligen Prozentsätzen zu. Auch die allgemein schwache Konjunktur und steigende Preise für Lebensmittel verleiden vielen Chinesen den Autokauf. Deutsche Konzerne wie Volkswagen Börsen-Chart zeigen, Daimler Börsen-Chart zeigen und BMW Börsen-Chart zeigen setzen dennoch voll auf die Volksrepublik und erreichten zahlreiche Werke.

"China besteht ja nicht nur aus den Metropolen", übt sich ein deutscher Branchenexperte gegenüber manager magazin online in Zweckoptimismus. Auch in ländlicheren Regionen wachse die kaufkräftige Mittelschicht. Anders als in den großen Städten gebe es dort auch noch Platz für Autos.

nis/rtr

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