Mittwoch, 17. Juli 2019

Italiens Präsident Monti "Der Euro könnte zur Hölle fahren"

Bundeskanzlerin Merkel und Italiens Ministerpräsident Monti wollen den Euro retten, aber auf unterschiedliche Art und Weise

Mit ungewöhnlich weit auseinander liegenden Reformvorschlägen gehen die EU-Chefs heute in ihre Gipfelkonferenz zur Überwindung der Finanzkrise. Die Gemüter sind erhitzt, Italiens Premier Monti warnt bereits vor einer Katastrophe, sollte der Gipfel scheitern.

Brüssel - Der italienische Ministerpräsident Mario Monti warnte am Mittwochabend vor einer möglichen "Katastrophe" für die EU, sollten die Mitgliedsländer keine gemeinsame Linie finden. "Wenn die Italiener entmutigt würden, könnte das politische Kräfte freisetzen, die die europäische Integration und den Euro zur Hölle fahren lassen", sagte Monti bei seiner Ankunft in Brüssel am Mittwochabend. Italien habe große Opfer gebracht und die Schulden unter Kontrolle bekommen.

Die Zinsen für italienische Staatsanleihen stiegen am Mittwoch auf den höchsten Wert seit Dezember. Vor unmittelbarer Gefahr sei das Land dennoch sicher, sagte Monti nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur LaPresse. Vor grundlegenden Risiken hingegen sei Italien ebenso wenig sicher wie der Rest Europas.

Merkel spricht von einer "ernsten Situation"

Gestern Abend hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu letzten Vorgesprächen mit Frankreichs neuem Präsidenten François Hollande getroffen. Über mögliche Ergebnisse des mehr als zweistündigen Treffens in Paris wurde allerdings nichts bekannt.

Bei einer kurzen Erklärung zum Auftakt der Gespräche hatte Merkel die Hoffnung geäußert, dass auf dem Gipfel ein Pakt für Wachstum beschlossen wird. "Der EU-Gipfel muss wichtige Weichen für die Zukunft Europas stellen", sagte Merkel und sprach von einer "ernsten Situation". Es gehe um die Zukunft Europas mit einer starken und stabilen Währung, aber auch um ein Europa, in dem man sich gegenseitig helfe. Sie nahm damit ausdrücklich Hollandes Forderungen nach einer Stärkung des Solidaritätsgedankens auf.

Zuvor hatte Merkel bei ihrer Regierungserklärung in Berlin allerdings erneut klargemacht, dass Haftung und Kontrolle der Finanzen in klarem Verhältnis stehen müssten. Die von Hollande und anderen langfristig befürworteten Euro-Bonds lehnt sie nach wie vor strikt ab.

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