Weiteres Hilfspaket Euro-Gruppe will Zypern zu Hilfe eilen

Die Euro-Partner sind bereit, Zypern zu helfen. Der Inselstaat soll ein umfassendes Hilfspaket erhalten. Auch der Internationale Währungsfonds beteiligt sich. Die Summe der Notkredite ist aber noch offen.
Bank of Cyprus in Nicosia: Inselstaat braucht Euro-Unterstützung

Bank of Cyprus in Nicosia: Inselstaat braucht Euro-Unterstützung

Foto: Katia Christodoulou/ dpa

Brüssel - Zwei Tage nach dem Antrag haben die Euro-Staaten Zypern ein umfassendes Hilfspaket in Aussicht gestellt. Die Euro-Gruppe sicherte dem Inselstaat nach einer Telefonkonferenz am Mittwoch zu, "positiv" auf die eingegangene Anfrage zu reagieren. Wie bei früheren Hilfsprogrammen für Griechenland, Irland und Portugal werde sich auch der Internationale Währungsfonds (IWF) an den Notkrediten beteiligen.

Eine Summe nannten die Euro-Finanzminister dabei nicht. In Nikosia ist von einem Betrag von bis zu zehn Milliarden Euro die Rede. Experten von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF sollen den Finanzbedarf des Mittelmeerstaates nun sondieren.

Im Gegensatz zu Spanien, das lediglich Notkredite für die Sanierung seiner maroden Banken erhält, muss Zypern im Gegenzug Auflagen für die gesamte Wirtschaft einhalten. Die Finanzhilfe werde im Rahmen eines "umfassenden" Reformprogramms gewährt, schreibt die Euro-Gruppe. Dies basiere auf den Empfehlungen der EU-Kommission.

Die EU-Kommission hatte Zypern Ende Mai aufgefordert, unter anderem sein ausuferndes Haushaltsdefizit zu reduzieren und seine Banken stärker zu beaufsichtigen. Zudem verlangte Brüssel Reformen am Rentenmarkt, im Gesundheitssektor und am Arbeitsmarkt. Die Euro-Gruppe zeigt sich davon überzeugt, dass "die Umsetzung dieses Programms die finanziellen, haushaltspolitischen und strukturellen Herausforderungen der [zyprischen] Wirtschaft entschlossen angehen wird".

Euro-Grupppe: "Sehr herausforderndes Umfeld"

Der Internationale Währungsfonds wird bei der Hilfe mitziehen. IWF-Chefin Christine Lagarde teilte in Washington mit: "Wir stehen bereit, unsere europäischen Partner zu unterstützen, um Zypern wieder zu einem stabilen und nachhaltigen Wachstum zu bringen und seinen Finanzsektor zu konsolidieren." Der IWF hatte bei früheren Programmen ein Drittel übernommen.

Die Euro-Gruppe sprach in ihrer Erklärung von "einem sehr herausfordernden Umfeld" und Turbulenzen an den Märkten für Staatsanleihen. Die Minister begrüßten, dass Zypern auch den IWF um Finanzhilfe gebeten habe. Offen ist laut Euro-Gruppe noch, ob die Kredite aus dem derzeitigen Rettungsfonds EFSF oder aus seinem Nachfolger ESM, der im Juli starten soll, kommen werden.

Die Republik Zypern ist die drittkleinste Volkswirtschaft im Währungsraum. Zypern war am Montag als fünftes Euro-Land unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft. Als Hauptproblem des Inselstaates gilt der eng mit den griechischen Geldhäusern verwobene Bankensektor. Zuvor hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Zyperns herabgestuft und auf Ramschniveau gesetzt.

kst/dpa
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