Rüstungskooperation Europa will eigene Drohne entwickeln

Die USA setzen Kampfdrohnen in Afghanistan ein. Deutschland und Frankreich wollen nun gemeinsam die Entwicklung einer Euro-Drohne vorantreiben - und eine Einkaufs-Kooperation im Rüstungsmarkt gründen.
Aufklärungsdrohne "EuroHawk" von Northrop-Grumman: Die europäischen Staaten denken mal wieder über gemeinsame Rüstungsprojekte nach

Aufklärungsdrohne "EuroHawk" von Northrop-Grumman: Die europäischen Staaten denken mal wieder über gemeinsame Rüstungsprojekte nach

Foto: Northrop Grumman

Berlin/Paris - Eine Zusammenarbeit sei denkbar bei der Konzeptionierung von Panzern und Artillerie oder bei der Vereinheitlichung europäischer Projekte wie der Hubschrauber Tiger und NH-90. Zusammen mit Großbritannien soll zudem die Entwicklung einer europäischen Drohne vorangetrieben werden. Dies geht aus einer Absichtserklärung hervor, die Deutschland und Frankreich auf einer Rüstungsmesse in Paris unterzeichnet haben. An der Entwicklung der europäischen Drohne könnten sich auch Spanien, Italien und andere beteiligen.

"Die höhere Komplexität der modernen Systeme und die Bestellung kleinerer Mengen durch die einzelnen Staaten fressen das Rationalisierungspotenzial auf", sagte der deutsche Verteidigungsstaatsekretär Stephane Beemelmans. Bei der Raketenabwehr sollen ebenfalls Chancen einer Kooperation geprüft werden, wie aus der Absichtserklärung weiter hervorgeht. Auch hier könnte Italien mit einsteigen, das bisher zusammen mit Deutschland am auslaufenden Meads-Programm beteiligt ist.

"Das Gesetz der Menge wird künftig fast durchweg gegen uns spielen", sagte Beemelmans weiter. Dies könne man entweder dulden oder man könne sich mit einem Partner zusammentun, um gemeinsam auf eine größere Menge zu kommen.

Knapp 50 Jahre nach der Unterzeichnung des Elysee-Vertrags soll die deutsch-französische Achse eine frische Dynamik in die Rüstungskooperation bringen und zugleich die Basis für eine Zusammenarbeit bilden, an die auch andere Staaten andocken könnten. Wie an anderen Stellen in der EU könnten Deutschland und Frankreich auch hier der Motor sein, sagte Beemelmans. "Wir müssen eine Plattform bilden, auf die andere mit aufsteigen können. Das haben Deutschland und Frankreich schon sehr oft praktiziert, das wollen wir auch jetzt wieder tun." Langfristiges Ziel sei, dass beide Länder wie ein Einkäufer auf dem Markt aufträten.

Wildwuchs bei nationalen Rüstungsprojekten

In der Vergangenheit hatten Deutschland und Frankreich einander dagegen häufig Konkurrenz gemacht, etwa mit den Kampfjets Eurofighter und Rafale, auf dem U-Boot-Markt und bei den Fregatten. Auch die Entwicklung einer europäischen Drohne scheitert bisher daran, dass der europäische Rüstungskonzern EADS  einerseits und ein Bündnis aus französischer Dassault  und britischer BAE Systems  andererseits um das Vorhaben konkurrierten. Geld ist jedoch, wenn überhaupt, nur für eine Drohne vorhanden.

Selbst da, wo es wie beim Kampfhubschrauber Tiger oder dem NH-90 zu europäischen Kooperationen kam, entwickelten sich die nationalen Versionen der Helikopter bald so stark auseinander, dass sie kaum noch wiederzuerkennen waren. "Damit wurde aus der Serienproduktion eine Manufaktur gemacht", bemängelt Beemelmans.

Dies verteuere nicht nur Bau und Entwicklung, sondern es mache auch den Betrieb komplizierter, weil die unterschiedlichsten Ersatzteile vorgehalten werden müssen. Diesen Wildwuchs wollen Deutschland und Frankreich nun stutzen, die gemeinsam entwickelten Produkte sollen künftig auch tatsächlich diesseits und jenseits des Rheins praktisch identisch sein.

"Wir wollen wieder zu einem einzigen Produkt zurück, bei dem am Ende vielleicht nur die Hoheitsabzeichen und die letzten fünf Prozent der Ausrüstung voneinander abweichen", kündigte Beemelmans an. Dies könne auch Anpassungen laufender Projekte bedeuten. Details nannte der Staatssekretär nicht.

Panzer der Zukunft

In der Truppe wird aber beispielsweise immer wieder kritisiert, dass der Kampfhubschrauber Tiger nur in der Panzerabwehr-Variante des Kalten Krieges beschafft wird, die für den Einsatz in Konflikten wie in Afghanistan wenig geeignet und zu teuer ist. Beemelmans sagte, auch Erprobung und Zulassung sollten angeglichen werden, so dass künftig ein Partnerstaat für alle anderen die militärische Zulassung übernehmen könne.

Auch beim Kauf eines leichten Transporthubschraubers streben Deutschland und Frankreich eine Zusammenarbeit an, beim A400M sollen Möglichkeiten der gemeinsam Wartung untersucht werden. Die bestehende enge Zusammenarbeit bei den Satellitensystemen wollen die beiden Länder intensivieren.

Grundsätzlich würden Deutschland und Frankreich ihre Planungen in Zukunft so ausrichten, dass sie ihre Einkaufsmacht bündeln könnten, sagte Beemelmans. Für die Vision einer neuen Generation Panzer beispielsweise bedeute dies, "dass die Heeres-Experten beider Seiten sich zusammensetzen und nachdenken, wie ein Panzer der Zukunft aussehen könnte."

Arbeitsgruppen sollen nun ganz konkret die Kooperationsmöglichkeiten ausloten und einen Fahrplan bis 2030 entwickeln. Erste Ergebnisse sollen noch vor der Sommerpause vorliegen, ein Abschlussbericht bis Dezember stehen. Der Startschuss für die ersten Projekte soll zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Elysee-Verträge im Januar 2013 fallen.

ts/rtr
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