Bankenkrise Zapft Zypern wieder die Russen an?

Zypern braucht viel Geld für seine angeschlagenen Banken. Doch statt unter den Euro-Rettungsschirm zu ziehen, hofft das Land auf bilaterale Kredite. Russland hatten schon einmal ausgeholfen, auch China gilt als möglicher Geldgeber.
Zentralbank in Nikosia: Zyprische Banken sind stark in griechischen Staatsanleihen investiert und gelten als gefährdet

Zentralbank in Nikosia: Zyprische Banken sind stark in griechischen Staatsanleihen investiert und gelten als gefährdet

Foto: DPA

Nikosia - Das klamme Zypern will Medienberichten zufolge den Gang unter den Euro-Rettungsschirm möglichst vermeiden. Es sei zwar noch keine endgültige Entscheidung über einen Antrag gefallen, berichten Zeitungen des Landes. Die Regierung richte ihre Bemühungen derzeit aber eher darauf, bilaterale Kredite zu erhalten.

Zypern braucht vor allem Geld, um eine Kapitallücke bei der zweitgrößten Bank des Landes, der Cyprus Popular, zu schließen. Dabei geht es um etwa 1,8 Milliarden Euro, was 10 Prozent der zyprischen Wirtschaftsleistung entspricht.

Finanzminister Vassos Shiarly hatte am Dienstagabend im staatlichten Fernsehen, gesagt, bilaterale Krediten seien nicht abwegig. Zudem bekräftigte er, bei der Rettung der Bank "nicht bis zum letzten Tag" warten zu wollen. Die Rekapitalisierung der Bank muss bis zum 30. Juni abgeschlossen sein.

Zypern hatte sich im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Euro von Russland geliehen, auch über China als neuen Geldgeber wird spekuliert. Sollte aus diesen Ländern Geld fließen, würde das in der EU wohl zu skeptischen Blicken führen - nicht zuletzt, weil Zypern zum 1. Juli die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union übernimmt.

Moody's stuft zwei zyprische Banken ab

Die US-Ratingagentur Moody's hatte gestern die Kreditwürdigkeit der Bank of Cyprus von B1 auf B2 und der Hellenic Bank von B1 auf Ba3 herabgestuft. Zudem werde eine weitere Herabstufung der Cyprus Popular Bank geprüft. Moody's begründete die Entscheidung damit, dass die drei Banken wegen ihres starken Engagements in Griechenland von einem möglichen Austritt des Staates aus der Eurozone besonders betroffen wären.

Nach Spanien gilt Zypern als möglicher nächster Kandidat für Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds. Vergangene Woche gestand die Regierung ein, dass das Land möglicherweise gezwungen sei, sich an die EU um Hilfe zu wenden.

Zypern steckt tief in der Rezession. Auf der östlichen Mittelmeerinsel lasten neben der europaweiten Schuldenkrise vor allem Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen und die Folgen für das heimische Bankensystem. Das Land steht für lediglich 0,2 Prozent der gesamten Wirtschaftskraft in der Euro-Zone.

rei/rtr/afp
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