UN-Bericht Assad-Regime soll Kinder gefoltert haben

Das Regime in Syrien soll Kinder in Gefangenschaft missbraucht, gefoltert und getötet haben. Das geht aus einem Bericht der Vereinten Nationen hervor. Jetzt werden Stimmen laut, die eine Intervention in Syrien nicht mehr ausschließen.
Kinder in Syrien: Opfer unvorstellbarer Greueltaten. Sie wurden auch als menschliche Schutzschilde missbraucht.

Kinder in Syrien: Opfer unvorstellbarer Greueltaten. Sie wurden auch als menschliche Schutzschilde missbraucht.

Foto: AFP

New York - Die Vereinten Nationen werfen der syrischen Führung vor, bei ihrem Vorgehen gegen oppositionelle Kämpfer Kinder willkürlich verhaftet, gefoltert, sexuell misshandelt und als menschliche Schutzschilde missbraucht zu haben. Sie habe "selten solche Brutalität gesehen", wie sie die syrische Armee Kindern im Alter von nicht einmal zehn Jahren antue, sagte die UN-Beauftragte für Kinder in bewaffneten Konflikten, Radhika Coomaraswamy, kurz vor der Veröffentlichung eines entsprechenden Berichts in der Nacht zu Dienstag.

Sie habe es noch nie zuvor erlebt, dass Kinder nicht verschont würden, sondern in einem Konflikt sogar noch als Ziel dienten. "Wir haben Kinder gesehen, die gefoltert wurden und die noch die Spuren der Folter tragen", sagte Coomaraswamy. "Wir sind wirklich geschockt. Diese Folterungen von Kindern in Gefangenschaft, Kinder von gerade einmal zehn Jahren, das ist sehr außergewöhnlich, das haben wir woanders wirklich noch nicht gesehen."

"In fast allen aufgezeichneten Fällen waren Kinder unter den Opfern von Militäroperationen der Regierungstruppen - einschließlich der Streitkräfte, der Geheimdienste und der Schabiha-Miliz - im Konflikt mit der Opposition", schreiben auch die die Autoren des entsprechenden UN-Berichts, der von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vorgelegt wurde.

Nach den Worten Coomaraswamy haben die Vereinten Nationen Syrien erstmals auf eine "Liste der Schande" gesetzt. Ebenfalls neu auf der Liste sind Jemen und der Sudan. In dem Bericht werden 32 Staaten genannt, in denen seit mindestens fünf Jahren staatliche Gewalt gegen Kinder ausgeübt wird. Ban zeigte sich tief besorgt über die "inakzeptable hohe und wachsende Zahl" langjähriger staatlicher Gewalt gegen Kinder.

Allein am Montag starben mehr als 100 Menschen

Ban zeigte sich "tief besorgt" über die "gefährliche Zunahme bewaffneter Gewalt" in ganz Syrien in den vergangenen Tagen. Durch "intensive Militäreinsätze" der Regierungstruppen in der Rebellenhochburg Homs und den Beschuss aus Helikoptern in anderen Städten habe es viele zivile Opfer gegeben. Nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden allein am Montag landesweit mindestens 106 Menschen getötet, darunter 77 Zivilisten.

Ban betonte, die internationale Gemeinschaft befürchte ein noch weiter verschärftes Vorgehen der Regierungstruppen gegen Kämpfer der Opposition, die ebenfalls ihre Einsätze verstärkt hätten. Für die Eskalation der Gewalt seien "alle Seiten" verantwortlich, erklärte der UN-Generalsekretär und forderte neue Anstrengungen, um Verhandlungen zu ermöglichen.

Zugleich forderte Ban einen Zugang der unbewaffneten UN-Beobachter zur Stadt Al-Heffa. Angesichts von Berichten über einen massiven Aufmarsch von Regierungstruppen rund um die Stadt müssten die Beobachter ungehinderten Zugang erhalten.

Unionssprecher schließt Militäreinsatz nicht aus

Der außenpolitische Sprecher der Unionsbundestagsfraktion, Philipp Mißfelder, beurteilt die Möglichkeiten für eine friedliche Beendigung des Konflikts in Syrien skeptisch. Er sehe die Chancen für eine diplomatische Lösung immer pessimistischer, sagte der CDU-Politiker der "Passauer Neuen Presse" laut Vorabbericht. "Der Plan des UN-Sonderbeauftragten Annan ist gescheitert."

Mißfelder räumte ein, die Lage in Syrien sei weitaus komplizierter als vor einem Jahr in Libyen. "Ein Militäreinsatz wäre schwieriger und mit höheren Risiken verbunden", sagte er. Doch ein Verzicht auf eine Militärintervention spiele Präsident Assad in die Hände. "Wir dürfen weiterhin keine Option ausschließen. Dazu gehört auch ein militärisches Eingreifen. Das kann jedoch nur unter einem UN-Mandat geschehen."

rei/dapd/dpa/afp/rtr
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