Euro-Rettungsschirm Italien könnte nächster Kandidat sein

Mit Spanien sucht das vierte Land der Euro-Zone Schutz unter dem Rettungsschirm. Experten befürchten, dass Italien als nächster Wackelkandidat folgen könnte. Mindestens drei Gründe sprechen dafür.
Einkommen und Konsum schrumpfen: Italien steckt in der Rezession, ist hoch verschuldet, die Sanierung der Staatsfinanzen wird immer schwieriger

Einkommen und Konsum schrumpfen: Italien steckt in der Rezession, ist hoch verschuldet, die Sanierung der Staatsfinanzen wird immer schwieriger

Foto: Vittorio Zunino Celotto/ Getty Images

Berlin - Erst Griechenland, dann Irland und Portugal, nun Spanien - und künftig auch noch Italien? Spanien will als bereits viertes Euro-Land Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchen. Italien selbst glaubt sich aus eigener Kraft aus der Euro-Krise retten zu können, wie Industrieminister Corrado Passera erklärte. Experten aber befürchten, dass mit Italien die nach Deutschland und Frankreich drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion ebenfalls auf Hilfe angewiesen sein wird. Was dafür spricht:

Die schlechte Wirtschaftslage: In keinem anderen Euro-Land ist die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal so stark eingebrochen wie in Italien. Das Bruttoinlandsprodukt fiel um 0,8 Prozent - fast dreimal so stark wie in Spanien und bereits das dritte Quartal in Folge. Auch die Aussichten sind nicht gut. 2012 dürfte die Wirtschaft um 1,4 Prozent schrumpfen, die Arbeitslosenquote um mehr als einen Punkt auf 9,5 Prozent steigen.

"Die Schuldenkrise in der Euro-Zone belastet die italienische Wirtschaft", befürchtet die Kommission. Steuererhöhungen und die steigende Arbeitslosigkeit drücken die Einkommen, wodurch der private Konsum schrumpft. Das wiederum sorgt für Steuerausfälle und erschwert die Sanierung des Staatshaushaltes. Die EU setzt auf eine langsame Erholung im nächsten Jahr. Die Wirtschaft dürfte dann wieder wachsen, aber nur um magere 0,4 Prozent.

Die hohe Staatsverschuldung: Der Schuldenberg wird in diesem Jahr weiter steigen. Er soll nach Prognose der EU-Kommission 123,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung ausmachen. 2008 waren es nur knapp 106 Prozent. Nur in Griechenland ist der Berg noch höher. Auch im kommenden Jahr dürfte er kaum kleiner werden und über der Marke von 120 Prozent verharren. Italien ist damit der viertgrößte Schuldenmacher weltweit.

Der Reformeifer lässt nach: Je näher die für 2013 angesetzte Parlamentswahl rückt, desto geringer ist die Reformbereitschaft der Parteien. Ministerpräsident Mario Monti muss zunehmend Kompromisse eingehen, um Gesetze durch die beiden Parlamentskammern zu bringen. Sowohl Gewerkschaften als auch Arbeitgeberverbände setzten bei der kürzlich verabschiedeten Arbeitsmarktreform Änderungen durch. Zuvor hatten bereits Interessengruppen wie die der Taxifahrer und Rechtsanwälte verhindert, dass die Zugangsbeschränkungen zum Arbeitsmarkt gelockert werden. "Der Reformwille der italienischen Politik ist offensichtlich bereits wieder deutlich erlahmt", stellt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen fest.

rei/rtr
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