Altersarmut Renteneintrittsalter könnte auf 69 steigen

Noch länger arbeiten: Weil den sozialen Sicherungssystemen der Kollaps droht, fordert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine Erhöhung des Renteneintrittsalter - bis auf 69.
Widerstand regte sich in Deutschland bereits gegen die Rente mit 67. Nach dem Willen der OECD soll in manchen Ländern künftig bis 69 gearbeitet werden

Widerstand regte sich in Deutschland bereits gegen die Rente mit 67. Nach dem Willen der OECD soll in manchen Ländern künftig bis 69 gearbeitet werden

Foto: dapd

Berlin - Wegen der steigenden Lebenserwartung müssten Regierungen das Renteneintrittsalter schrittweise erhöhen. Nur so könne die Finanzierung der sozialen Systeme sichergestellt werden, erläuterte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem Rentenausblick 2012.

In 28 der 34 OECD-Länder sei eine Anhebung zwar beschlossen oder geplant. Dies halte aber oft nicht Schritt mit dem Altern der Gesellschaft. "Die Regierungen sollten daher erwägen, das Renteneintrittsalter formell an die Lebenserwartung zu koppeln, wie dies in Dänemark und Italien bereits der Fall ist", heißt es in dem OECD-Report. Laut OECD wird das Renteneintrittsalter auf lange Sicht in der Hälfte der Länder bei 65 Jahren liegen, in 14 Ländern zwischen 67 und 69 Jahren.

Zudem sollte die private Altersvorsorge stärker gefördert werden. "Auch wenn diese Reformen manchmal unpopulär sind und wehtun, können sie in einer Zeit knapper öffentlicher Finanzen und begrenzter Spielräume bei der Fiskal- und Geldpolitik auch dazu dienen, das dringend benötigte Wachstum in alternden Volkswirtschaften voranzutreiben", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria.

In den entwickelten Volkswirtschaften werde in den nächsten 50 Jahren die Lebenserwartung bei der Geburt voraussichtlich um 1,7 Monate pro Jahr steigen - also alle sieben Jahre um ein zusätzliches Jahr. "Ältere Menschen sollten nicht davon abgehalten werden, über das traditionelle Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten", betonte Gurria. "Dann können auch unsere Kinder und Enkelkinder am Ende ihres Arbeitslebens eine angemessene Rente genießen."

Frankreich senkt Renteneintrittsalter

Die Rentenreformen der vergangenen zehn Jahre führten laut OECD in vielen Ländern zu einer Kürzung der staatlichen Rentenzusagen, meist um ein Fünftel bis ein Viertel. Im Durchschnitt der OECD-Staaten können Personen, die heute zu arbeiten beginnen, eine staatliche Nettorente in Höhe von rund der Hälfte ihres Nettoverdiensts erwarten, wenn sie im Regelrentenalter in Ruhestand gehen. "Allerdings können Rentner in fast allen 13 Ländern, in denen die private Altersvorsorge obligatorisch ist, Leistungen von rund 60 Prozent ihres Einkommens erwarten", betonte die OECD.

In Ländern, in denen staatliche Renten relativ niedrig und die private Altersvorsorge nur freiwillig seien, wie in Deutschland, Japan und den USA, müssten große Teile der Bevölkerung mit starken Einkommenseinbußen im Ruhestand rechnen. Dies könne zu einer deutlich stärkeren Altersarmut führen. "Ein späterer Renteneintritt und besserer Zugang zu privaten Renten könnte der Schlüssel sein, um diese Versorgungslücke zu schließen."

Während in Deutschland das Renteneintrittsalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre erhöht wird, hat die neue französische Regierung die Reformen teilweise wieder zurückgenommen. Nach dem Wahlsieg von Präsident Francois Hollande wurde das Renteneintrittsalter für Beschäftigte, die 41 Jahre in die Rentenkassen eingezahlt haben, wieder von 62 auf 60 Jahre gesenkt.

ts/rtr
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