Mittwoch, 27. Mai 2020

Spaniens Finanzminister "Tür zum Markt geschlossen"

Spaniens Finanzminister Cristobal Montoro: "Problem, den Markt anzuzapfen"

Die spanische Regierung hat Probleme bei der Geldbeschaffung eingeräumt. "Für Spanien ist die Tür zum Markt geschlossen", sagte Finanzminister Cristobal Montoro. Das Geständnis kommt zur Unzeit.

Madrid/Berlin/Brasilia - Die Märkte seien zu den derzeitigen Finanzierungskosten de facto für Spanien nicht mehr zugänglich, sagte Finanzminister Cristobal Montoro dem Radiosender "Onda Cero". "Für Spanien ist die Tür zum Markt geschlossen. Der Risikoaufschlag sagt, dass wir als Staat ein Problem haben, den Markt anzuzapfen, wenn wir unsere Schulden refinanzieren müssen."

Montoros Geständnis drückte den Euro Börsen-Chart zeigen wieder deutlich unter die Marke von 1,25 Dollar. Die Gemeinschaftswährung fiel auf ein Tagestief von 1,2428 Dollar. Der nächste Härtetest dürfte damit am Donnerstag anstehen, wenn Spanien neue Anleihen begeben will. Zehnjährige spanische Bonds rentierten am Sekundärmarkt bei 6,396 Prozent und damit leicht unter ihrem Vortageswert (6,415 Prozent).

Weder Deutschland noch Frankreich seien an das Land herangetreten, um es dazu zu drängen, einen Antrag für internationale Hilfen zu stellen, sagte Montoro weiter. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sicherte Spanien Rückendeckung für seine Anti-Krisenpolitik zu. "Die spanische Regierung trifft die richtigen Entscheidungen, obwohl es für eine Krise dieses Ausmaßes keine Patentrezepte gibt", sagte Schäuble dem "Handelsblatt".

Spanien steht derzeit wegen großer Kapitallöcher seiner Banken im Visier der Märkte. Spaniens Banken benötigen dem Vorsitzenden der Banco Santander Börsen-Chart zeigen, Emilio Botin, zufolge rund 40 Milliarden Euro an zusätzlichem Kapital. In Spanien gebe es "keine Finanzkrise", so Botin, sondern nur einige wenige Banken, die finanzielle Hilfe benötigten. Santander ist die größte Bank Spaniens.

Banken brauchen bis zu 90 Milliarden Euro

Experten der Bundesregierung rechnen Medienberichten zufolge damit, dass die spanische Bankenwirtschaft eine Kapitalspritze von 50 bis 90 Milliarden Euro benötigt. Die Regierung in Madrid hatte in den vergangenen Wochen mehrmals Geld für seine Banken außerhalb des bisherigen Rettungsverfahrens gefordert. Dies lehnt Deutschland ab. Schäuble sagte, "immer neue Gerüchte über immer neue Kapitallücken sind ein ziemlicher Skandal".

IWF-Chefin Christine Lagarde sagte, der Internationale Währungsfonds (IWF) befinde sich nicht in Gesprächen mit Spanien über ein Hilfsprogramm. "Wir tun das überhaupt nicht. Spanien hat viel unternommen. Sie haben politisch Mut gezeigt und eine Reihe von Reformen und Sparprogrammen umgesetzt", sagte Lagarde der schwedischen Tageszeitung "Svenska Dagbladet".

Finanzprofis setzten ihre Hoffnungen auf neue Schritte der führenden Industrieländer G7 und der Europäischen Zentralbank (EZB), die am Mittwoch über ihr weiteres Vorgehen berät. In der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) gibt es Bestrebungen, Deutschland und andere finanzstarke Länder zu mehr Wachstumsimpulsen zu bewegen.

ts/rtr

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