In der Schuldenkrise Europäer werden ärmer, Deutsche reicher

Die Schuldenkrise fordert ihren Tribut: Das Privatvermögen in Westeuropa ist im vergangenen Jahr insgesamt offenbar leicht auf 25,5 Billionen Euro geschrumpft. Die Bundesbürger hatten allerdings mehr Glück auf ihrer Seite. Die Deutschen wurden ein wenig reicher.
Vermögenslage: Schuldenkrise kostet Substanz

Vermögenslage: Schuldenkrise kostet Substanz

Foto: Corbis

Hamburg - "Die europäische Schuldenkrise hat die breite Bevölkerung getroffen", sagte Boston-Consulting-Experte Experte Peter Damisch. Nach seinen Worten haben insbesondere die südlichen Länder wie Italien und Spanien gelitten. "Wir haben aufgrund des schwachen Aktienmarkts aber auch Rückgänge in Großbritannien gesehen."

"Deutschland steht im Vergleich zu den europäischen Nachbarn gut da", stellte Damisch dagegen fest. Hierzulande wuchs das Privatvermögen demnach um 0,4 Prozent auf umgerechnet 6,4 Billionen Dollar. Zu den Staaten, die ebenfalls trotz der Turbulenzen zulegen konnten, gehörten die Schweiz (plus 0,5 Prozent) sowie Frankreich (plus 1,5 Prozent).

Allerdings gewannen auch die Deutschen nicht mehr so schnell Vermögen hinzu wie noch in den Vorjahren. Das Tempo sank. Im Schnitt gewannen die Bundesbürger seit 2006 jährlich 2,2 Prozent hinzu - deutlich mehr als die 0,4 Prozent im vergangenen Jahr also. Für die kommenden Jahre geben sich die Experten von Boston Consulting zuversichtlich, dass Europa sich erholt und damit auch die Vermögen wieder wachsen.

Auch in Nordamerika und Japan schrumpfte nach der jährlich erscheinenden Studie "Global Wealth" das Privatvermögen im vergangenen Jahr. In Amerika kam zusätzlich zur Schuldenkrise die in letzter Sekunde abgewendete Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung hinzu; in Japan waren es die Folgen des Erdbebens und Tsunamis.

Das weltweite Privatvermögen stieg im vergangenen Jahr dagegen um 1,9 Prozent auf 122,8 Billionen Dollar. Die aufstrebenden Schwellenländer wie China und Brasilien glichen die Rückgänge in vielen Industrienationen aus. In den beiden Vorjahren hatte der Reichtum allerdings noch um 9,6 beziehungsweise 6,8 Prozent zugelegt. "Wir gehen davon aus, dass auch in den kommenden Jahren das Vermögen zunimmt, aber nicht mehr so schnell wie in der Vergangenheit", sagte Damisch.

kst/dpa
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