Mittwoch, 16. Oktober 2019

Madrid lehnt Hilfe ab Spanien tief im Strudel der Bankenkrise

Protest gegen Banken: Das wahre Ausmaß der "faulen" Immobilienkredite spanischer Banken wird erst jetzt deutlich. Die Regierung betont aber, dass sie die Krise ohne EU-Hilfe schultern will

Europa zittert davor, dass Spanien wegen seiner Bankenkrise die EU um Hilfe bitten muss. Allein die marode Großbank Bankia kostet den Staat 23 Milliarden Euro. Madrid fehlt das Geld. Ein Trick könnte helfen.

Madrid - Spanien muss sparen. Die Regierung kürzt die Gelder für Schulen, Krankenhäuser und Forschungsinstitute. Aber nun will Madrid eine Milliardensumme in die angeschlagene Großbank Bankia stecken. Die viertgrößte Bank des Landes hatte den Staat um eine Rekordhilfe von mehr als 23 Milliarden Euro gebeten. Die Summe übertraf die schlimmsten Erwartungen der Regierung. Woher soll der - selbst mit Schulden kämpfende - Staat dieses Geld nehmen?

Spaniens Bankenkrise erinnert immer mehr an die Entwicklung in Irland. In beiden Ländern waren Geldhäuser nach dem Platzen einer Immobilienblase in Bedrängnis geraten. In Irland sprang die Regierung den Banken frühzeitig bei, musste dazu aber unter den internationalen Rettungsschirm schlüpfen.

In Spanien dagegen blieb das wahre Ausmaß der "faulen" Immobilienkredite lange Zeit verborgen. Die Geldhäuser hofften offenbar darauf, dass die Krise rasch überwunden werde und sie die Finanzprobleme aus eigener Kraft lösen könnten. Diese Hoffnung erwies sich als trügerisch. Die Aktien von Bankia waren am Montag nicht einmal mehr ein Drittel des Betrags wert, zu dem sie im Juli 2011 an die Börse gebracht worden waren.

Die Krise der teilverstaatlichten Bank weckt neue Befürchtungen, dass Spanien - die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone - vollends in den Strudel der europäischen Schuldenkrise gezogen wird und internationale Hilfe in Anspruch nehmen muss. Am Pfingstmontag stiegen die Risikoaufschläge für zehnjährige spanische Anleihen gegenüber als sicher geltenden deutschen Papieren auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. "Das Gespenst einer europäischen Rettungsaktion ist zurück", schrieb die Zeitung "El País".

Spanien wird Bankia nicht fallenlassen, denn ein Zusammenbruch hätte gravierende Folgen für sein Finanzsystem. Madrid werde dem Geldhaus alle Mittel zur Verfügung stellen, die notwendig seien, versprach Wirtschaftsminister Luis de Guindos.

Dies ließ die Bank sich nicht zweimal sagen. Sie bat den Staat zusätzlich zu den bereits gewährten Hilfen von 4,5 Milliarden Euro um einen Kapitalzuschuss von 19 Milliarden Euro - doppelt so viel wie der Minister wenige Tage zuvor angenommen hatte. Die Summe von 23,5 Milliarden Euro ist etwa so viel, wie der Staat im Jahr für die Bildung ausgibt.

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