Mittwoch, 16. Oktober 2019

EZB-Notfallplan Euro-Zone rüstet sich für Austritt Griechenlands

Zerbricht Europa: Politik und Märkte bereiten sich auf einen Euro-Austritt Griechenlands vor

Während sich das Parlament in Athen am Abend wohl auflösen wird, bereiten sich EU-Kommission und EZB auf einen möglichen Euro-Austritt Griechenlands vor. EU-Handelskommissar Karel De Gucht bestätigte, dass es entsprechende Notfallpläne gebe.

Athen - Angesichts der politischen Wirren in Athen kursieren in der Euro-Zone Planspiele für eine Zukunft ohne Griechenland. Die EU-Kommission und die EZB arbeiten EU-Handelskommissar Karel De Gucht zufolge an entsprechenden Notfall-Szenarien.

"Vor eineinhalb Jahren mag die Gefahr eines Domino-Effekts bestanden haben", sagte De Gucht einem am Freitag veröffentlichten Interview der belgischen Zeitung "De Standaard" zufolge. Aber nun stellten sich Stäbe der EZB und der EU-Kommission auch darauf ein, "dass es Griechenland nicht schafft".

Die EZB wolle Hellas im Euro halten, erwiderte EZB-Führungsmitglied Jose Manuel Gonzalez-Paramo aus Spanien. Seinem Land droht nach einem Rundumschlag der Ratingagentur Moody's gegen den dortigen Bankensektor noch stärker in den Strudel der Schulden-Krise zu geraten und der zweite große Brandherd der Euro-Zone zu werden.

Dank aufkeimender Hoffnungen auf eine Bewältigung der Schuldenkrise machten die europäischen Aktienmärkte ihre Anfangsverluste im Verlauf wieder wett. Der Euro erholte sich ebenfalls, nachdem eine Umfrage den Sparbefürwortern in Hellas überraschend wieder gute Chancen bei den Wahlen am 17. Juni einräumte.

Angesichts dieser Hoffnungsschimmer bemühte sich auch die EZB, die Wogen zu glätten: Es stehe der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht zu, sich über ein Ausstiegsszenario für Griechenland zu äußern, betonte Gonzalez-Paramo, der Ende des Monats turnusmäßig aus dem EZB-Direktorium ausscheidet. Die Interview-Äußerungen De Guchts lassen aufhorchen, räumte bisher doch kein Vertreter der EU-Kommission die Existenz von Notfallplänen für einen griechischen Euro-Austritt öffentlich ein.

Existenz von Notfallplänen bestätigt

Ein Sprecher der EU-Vertretung in Berlin dementierte, dass in Brüssel ein solcher Fall konkret durchgespielt werde: "Um es deutlich zu sagen, die EU-Kommission arbeitet nicht an einem Austrittsszenario für Griechenland." Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt unterdessen auf eine möglichst rasche Bildung einer handlungsfähigen Regierung in Athen. Dies teilte die Kanzlerin dem griechischen Präsidenten Karolos Papoulias am Morgen in einem Telefonat mit.

Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte auf die Frage, ob Finanzminister Wolfgang Schäuble mit den Vorbereitungen für einen Euro-Austritt Griechenlands begonnen habe, diese Fragen stellten sich derzeit nicht.

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