Sonntag, 15. Dezember 2019

Klamme Regionen Spanien bereitet Gemeinschaftsanleihen vor

Krisenregion Valencia: Höhere Zinsen als Griechenland

Euro-Bonds kommen im Kleinen. Die Madrider Zentralregierung plant Anleihen über 30 Milliarden Euro für die Regionen. Die hochverschuldeten spanischen Teilstaaten können ihren Schuldendienst aus eigener Kraft nicht mehr stemmen.

MADRID - Spanien will seine hoch verschuldeten Regionen mit Sonderanleihen vor der drohenden Pleite bewahren. Diese als "Hispabonos" bezeichneten Anleihen sollen nach Erwägungen der Madrider Regierung von den Regionen gemeinsam aufgelegt und vom Finanzministerium garantiert werden.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur EFE am Sonntag unter Berufung auf das Wirtschaftsministerium meldete, steht allerdings noch nicht fest, wann diese Papiere ausgegeben und um welche Summen es sich dabei handeln werde. Die Zeitung "El Mundo" berichtete, Madrid wolle im Juni beginnen, zur Rettung einzelner Regionen "Hispanobonos" im Wert von insgesamt 30 Milliarden Euro auszugeben.

Zugleich hat die Regierung des konservativen Premiers Mariano Rajoy ein Gesetz eingebracht, das ihr Eingriffsrechte in die Finanzen der Regionen einräumt, falls die aus dem Ruder laufen. Den Gebietskörperschaften wird ein hoher Anteil am Verfehlen des Defizitziels im vergangenen Jahr zugewiesen. Insgesamt nahm der spanische Staat neue Schulden von 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf. Sämtliche Regionen übertraten ihr Ziel von rund 1 Prozent, einige um ein Vielfaches.

Die Region Valencia muss, wenn sie sich auf den Finanzmärkten mit frischem Geld versorgen will, deutlich höhere Zinssätze zahlen als Länder wie Griechenland, Portugal oder Irland, die internationale Hilfen zur Abwendung einer Staatspleite in Anspruch nehmen mussten. Anfang des Jahres wurde die Kreditwürdigkeit der Region von der US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) auf "Ramsch" herabgestuft, nachdem eine Milliardenanleihe keine Käufer fand und Valencia einen Kredit der Deutschen Bank nicht rechtzeitig zurückzahlen konnte. Die konservativ regierte Region an der Mittelmeerküste ist das Epizentrum der spanischen Immobilienkrise.

Auch Katalonien, die links regierte und nach Autonomie strebende wirtschaftsstärkste Region Spaniens, hat aufgrund ihrer Verschuldung Schwierigkeiten, sich Geld zu leihen. S&P hatte am Freitag die Kreditwürdigkeit von neun der insgesamt 17 spanischen Regionen herabgestuft. Katalonien und die Balearen rangieren danach nur eine Stufe über dem Ramschniveau.

ak/dpa-afx

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