Sonntag, 21. Juli 2019

Krise in Griechenland Jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos

Job-Krise in Griechenland: Vor allem junge Menschen sind von ihr betroffen

So mies stehen die Berufschancen im Euro-Raum sonst nur in Spanien: Mehr als die Hälfte aller junger Griechen ist ohne Job. Damit erreicht die Arbeitslosigkeit einen Rekordwert - und auch die Zukunftsaussichten sind in dem von Sparzwängen gebeutelten Land alles andere als positiv.

Athen - Die Staatsschuldenkrise schlägt immer mehr auf den Arbeitsmarkt in Griechenland durch: Seit Monaten steigt die Arbeitslosenquote stetig an. Jetzt zeigen neue Zahlen, wen es am härtesten trifft: Jugendliche. 50,8 Prozent der 15- bis 24-Jährigen gingen in dem rezessionsgeplagten Mittelmeerland im Januar keiner regulären Arbeit nach, wie das Statistikamt Elstat ermittelte. Das sind doppelt so viele wie noch vor drei Jahren. Einzig in Spanien gibt es im Euro-Raum eine noch höhere Jugendarbeitslosigkeitsquote.

Betrachtet man die Arbeitslosigkeit insgesamt, sieht es auch nicht besser aus: Sie stieg im Januar auf den Rekordwert von 21,8 Prozent, damit sind 1,08 Millionen Menschen ohne Job. Dieser Wert ist doppelt so hoch wie der Durchschnitt in der Euro-Zone. Auch hier gilt: Nur in Spanien sieht es noch schlechter aus: Im ersten Quartal lag die Arbeitslosenquote hier bei 22,9 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Wert im März bei lediglich 7,2 Prozent.

Die Zahlen geben der europäischen Schuldenkrise ein Gesicht: Die drastischen Sparmaßnahmen der griechischen Regierung treffen die Bevölkerung hart. Da das Pleite-Land gezwungen ist, seine Sparpläne weiterhin durchzuziehen, sehen die Zukunftsaussichten auf dem Arbeitsmarkt nicht besser aus. Die Staatsausgaben gehen zurück, Unternehmen melden Insolvenz an, große Teile der Belegschaft werden entlassen. Diese Situation verschärft sich immer mehr: Noch 2010 lag die Arbeitslosenquote bei 12,5 Prozent, ein Jahr später war sie im Schnitt bereits auf 17,7 Prozent geklettert.

Seit 2008 ist die griechische Wirtschaftsleistung um ein Fünftel geschrumpft. In diesem Zeitraum sind etwa 600.000 Stellen verlorengegangen. Wegen der zunehmenden Anträge auf Arbeitslosengeld fällt es der Regierung in Athen zunehmend schwer, ihre Haushaltsziele zu erreichen. Auch für viele Menschen mit Job ist es schwierig, den Lebensstandard zu halten. Der Staat hat den Mindestlohn um etwa ein Fünftel auf rund 580 Euro im Monat gekürzt.

cla/dpa/rtr

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