Evangelos Venizelos "Deutschland ist Rettungs-Profiteur"

Hierzulande sind die Milliarden für die Griechenland-Hilfe nicht eben populär. Griechenlands ehemaliger Finanzminister Evangelos Venizelos hat jetzt die Gegenrechnung aufgemacht: In den vergangenen zwei Jahren habe Deutschland 400 Millionen Euro daran verdient.
Ex-Finanzminister Evangelos Venizelos: "Griechenlands Verbleib in der Euro-Zone ist sicher"

Ex-Finanzminister Evangelos Venizelos: "Griechenlands Verbleib in der Euro-Zone ist sicher"

Foto: AP

Hamburg - Der ehemalige griechische Finanzminister Evangelos Venizelos hat die Milliarden-Hilfen für sein Land als gutes Geschäft für Deutschland gewertet. "Der deutsche Steuerzahler profitiert doch von der guten Geldanlage der deutschen Regierung", sagte der Chef der sozialistischen Pasok-Partei dem Nachrichtenmagazin "SPIEGEL". Deutschland könne sich derzeit fast kostenlos Geld leihen und gebe dies für einige Prozent mehr an Griechenland weiter. "Deutschland hat in den vergangenen zwei Jahren bereits rund 400 Millionen Euro an uns verdient."

Dass Griechenland seine Schulden zurückzahle, sei ebenso sicher wie der Verbleib des Landes in der Euro-Zone, sagte Venizelos. Die Reformen würden aber schmerzhaft, man erlebe gerade die kritischste Phase der Rettung Griechenlands. Angesichts der Kürzung von Löhnen und Gehältern und Steuererhöhungen sei es schwer, die Zustimmung der Menschen für Reformen zu bekommen, räumte Venizelos ein. Dennoch stünde eine große Mehrheit hinter ihnen.

Einer Umfrage zufolge gehen 92 Prozent der Verbraucher davon aus, dass sie in den kommenden zwölf Monaten kein Geld auf die hohe Kante legen könnten, teilte das Forschungsinstitut IOBE mit. Dagegen hellte sich das Geschäftsklima im März etwas auf, nachdem die Regierung mit einem Reformprogramm weitere Milliardenhilfen der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds ermöglicht hat. Das Barometer kletterte um 0,8 auf 75,7 Punkte.

Das Land steckt in der schwersten Rezession der Nachkriegszeit. Jeder fünfte Grieche hat derzeit keinen Job. Vermutlich am 6. Mai wird ein neues Parlament gewählt. Die das Rettungspaket stützenden Parteien Pasok und Nea Demokratia können Umfragen zufolge derzeit nicht mit einer eigenen Mehrheit rechnen.

kst/rtr

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