Parteienskandal Italiens Lega-Nord-Chef Bossi tritt zurück

Er ist ein alter Weggefährte von Silvio Berlusconi, der laute Rechtsaußen der italienischen Politik: Umberto Bossi ist als Chef der rechtspopulistischen Lega Nord zurückgetreten. Gegen die Lega-Führung waren Vorwürfe wegen Korruption und Veruntreuung laut geworden. 
Rechtsaußen Umberto Bossi: "Ich gehe zum Wohle der Partei"

Rechtsaußen Umberto Bossi: "Ich gehe zum Wohle der Partei"

Foto: Matteo Bazzi/ dpa

Rom - Der langjährige Chef der rechtspopulistischen italienischen Lega Nord, Umberto Bossi, ist zurückgetreten. Dies berichteten italienische TV-Sender am Donnerstag übereinstimmend. Bossis Regionalpartei war in den vergangenen Tagen zunehmend in den Strudel eines Skandals um Korruption und Veruntreuungen geraten. Gegen den 70-jährigen Bossi, einem alten Weggefährten des langjährigen Regierungschefs Silvio Berlusconi, war bisher nicht ermittelt worden.

Medien berichteten jedoch, dem Lega-Schatzmeister Francesco Belsito werde vorgeworfen, 200.000 Euro aus der Kasse der Partei an Bossis Söhne gegeben zu haben. Auch Bossis Frau sei in die Sache verwickelt. Bossi wird vorgeworfen, mit Steuergeldern seine Villa renoviert und Urlaube für seine Kinder bezahlt zu haben. Der Politiker hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Der Veruntreuungsskandal trifft eine Partei, die bisher mit ihrer norditalienischen "Sauberkeit" geworben hatte. Bossi war bekannt für seine scharfen Worte gegen den "römischen Sumpf" und Italiens Süden. Die Lega Nord tritt dafür ein, dass sich der wohlhabende Norden Italiens vom Rest des Landes abspaltet.

In dieser Woche leitete die Staatsanwaltschaft gegen drei Funktionäre der Lega Nord Ermittlungsverfahren wegen Betruges und illegaler Parteienfinanzierung ein. Die Lega Nord sitzt nach dem Ende der Regierung Berlusconis in der Opposition und ist gegen das Sparprogramm des neuen Ministerpräsidenten Mario Monti.

Bossi habe seinen Rücktritt am Donnerstagnachmittag bei einem Treffen des Bündnisses in Mailand erklärt. "Ich trete zum Wohle der Partei zurück", mit diesen Worten zitiert ihn die Zeitung "La Repubblica". Er habe seinen Rücktritt als "unwiderruflich" bezeichnet, heißt es. Er solle die Ehrenposition eines Präsidenten der Partei einnehmen, berichtet die Nachrichtenagentur Ansa.

Der Mitbegründer der Autonomiebewegung Lega Lombardo hatte 2004 einen Hirnschlag und einen Herzinfarkt erlitten, war aber später doch wieder Reformminister in dem Kabinett unter Berlusconi geworden.

Nach Informationen der "Repubblica" soll nun ein Trio die Parteiführung übernehmen. Neben der Abgeordneten Manuela Dal Lago sollen Roberto Calderoli, früherer Vizepräsident des Senats, und der Ex-Innenminister Roberto Maroni die Partei führen.

fab/dpa/rtr
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