Devisenmarkt Schweiz kämpft gegen Angriff auf Franken

Der Steuer-Deal mit Deutschland hat die Schweiz heute bereits in die Defensive gedrängt, jetzt attackieren auch noch Devisenspekulanten die Landeswährung. Energisch kämpfen die Schweizer dagegen an - doch die Angreifer haben schon einen Achtungserfolg verbucht.
Börse Chicago: Schweizer Notenbank auf dem Devisenmarkt unter Druck

Börse Chicago: Schweizer Notenbank auf dem Devisenmarkt unter Druck

Foto: Scott Olson/ Getty Images

Bern/Zürich - Am Mittag haben Schweizer und Deutsche Beamte den brisantesten Steuer-Deal seit Langem unter Dach und Fach gebracht. Und schon bei dem musste die Schweiz schwer schlucken, um den Punktsieg der deutschen Verhandlungspartner verdauen zu können. Dabei ist nicht mal klar, ob es nicht noch schlimmer für die Schweiz kommen sollte. Doch weitgehend unbemerkt davon müssen sich die Schweizer zeitgleich einer weiteren Attacke auf die Finanzen des eigenen Staates erwähren - und der wird nicht auf dem Verhandlungstisch geführt. Er ist sofort spürbar.

Devisenspekulanten haben am Tag vor den Osterfeierlichkeiten einen Angriff auf die Schweizer Devise geführt, den Franken. Und die Wucht der Attacke war so heftig, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) offenbar viel aufbieten musste, um sie zurückzuschlagen. Kurzfristig sah es sogar so aus, dass sie es nicht schaffen würde.

Durch konzertierte Aktionen war der Kurs des Euro  gegenüber dem Franken immer weiter nach unten getrieben wurden. Europas Gemeinschaftswährung verlor erkennbar an Wert gegenüber der Schweiz-Währung. Das aber will die Schweizer Nationalbank eigentlich verhindern, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft nicht gegenüber ihren Konkurrenten im Euro-Land künstlich schwächen zu lassen; höhere Franken-Kurse verteuern schließlich tendenziell Schweizer Produkte in Euro-Land. Deshalb hatte die Notenbank vor Wochen eine rote Linie gezogen, unter die der Euro-Kurs gegenüber dem Franken auf keinen Fall sinken solle. Und genau diese rote Linie zu brechen gelang heute den Devisen-Angreifern.

Der Kurs der Gemeinschaftswährung Euro  rutschte am Gründonnerstag erstmals unter die von den Schweizer Währungshütern festgelegte Untergrenze von 1,20 Franken. Vorübergehend sackte der Euro auf ein Siebenmonatstief von 1,1990 Franken ab, bevor sich die Kurse auf Werte um 1,2020 Franken erholten.

Kampf mit unbegrenzter Höhe

Die SNB bekräftigte umgehend ihren Willen, den Mindestkurs verteidigen zu wollen. "Wir sind weiterhin bereit, Fremdwährungen in unbegrenzter Höhe zu kaufen, um dieses Niveau zu verteidigen", sagte ein Sprecher der Notenbank. Ob die SNB im Markt sei und Euro kaufe, wie es Devisenhändler bemerkt haben wollen, kommentierte er nicht.

Die Schweizer Notenbank hatte am 6. September den Mindestkurs von 1,20 Franken für die Hauptexportwährung Euro festgelegt, nachdem der Euro wegen der Schuldenkrise zum Franken fast die Parität erreicht hatte. Nach Einschätzung der SNB zeigte die Kursuntergrenze Wirkung, sie habe die Wirtschaft des Landes stabilisiert.

Doch warum gerade jetzt, kurz vor Ostern, diese Attacke auf die SNB? "Die enttäuschende Auktion spanischer Staatsanleihen gestern hat die Leute wieder verunsichert", sagte ein Händler. "Das dürften manche Marktteilnehmer zum Anlass genommen haben, die SNB zu testen." Das Mittelmeerland hatte am Mittwoch bei einer Auktion mit einer geringeren Nachfrage zu kämpfen. Am Markt wird befürchtet, dass Spanien seine Haushaltsziele nicht erreichen kann.

Marktteilnehmer schließen nicht aus, dass die neu angefachten Krisenängste die SNB zu einem beherzten Eingreifen zwingen könnten. Bisher habe die Drohung der SNB ausgereicht, ein Abrutschen des Euro zu verhindern, sagte Richard Wiltshire, Chef-Devisenhändler beim Broker ETX Capital in London. Sobald sich die Gemeinschafswährung in Richtung 1,20 Franken bewegt habe, sei sie gekauft worden in der Überzeugung, dass die Schweizer Währungshüter eingreifen würden. "Falls diese Stimmungslage endet, könnten die Marktkräfte diktieren, dass sie sich engagieren", sagte Wiltshire.

kst/rtr
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.