Verpatzte Anleiheauktion Spanien bekommt weniger Geld als erhofft

Gerade erst hat die Regierung in Madrid neue Einsparungen angekündigt, dennoch verlief eine Versteigerung von Staatsanleihen nun enttäuschend: Spanien musste höhere Zinsen bieten als bisher und konnte sich nicht so viel Geld leihen wie geplant. Besser lief eine Anleiheauktion in Portugal.
Börse in Madrid: Spanien hat Schwierigkeiten mit der Geldversorgung am Kapitalmarkt

Börse in Madrid: Spanien hat Schwierigkeiten mit der Geldversorgung am Kapitalmarkt

Foto: ANDREA COMAS/ REUTERS

Madrid - Es ist keine Nachricht, die auf ein Ende der europäischen Schuldenkrise hoffen lässt: Spanien kämpft am Kapitalmarkt wieder mit schwindenden Vertrauen der Investoren. Bei der Ausgabe von Staatsanleihen verlangten die Anleger am Mittwoch höhere Zinsen als in den vergangenen Wochen - und das Interesse an den Papieren ließ deutlich nach.

Die konservative Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte erst am Freitag massive Einschnitte bei den Ausgaben für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in Spanien beschlossen. Insgesamt will Madrid in diesem Jahr rund 27 Milliarden Euro sparen. Das derzeitige Defizit von 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts soll bis Jahresende auf 5,3 Prozent sinken.

Bei spanischen Staatsanleihen mit einer dreijährigen Laufzeit lag die Durchschnittsrendite bei 2,89 Prozent, bei der letzten vergleichbaren Versteigerung im März hatte sie noch bei 2,44 Prozent gelegen. Noch deutlicher fiel der Anstieg bei Papieren mit Fälligkeit in vier Jahren aus: Hier stieg die Rendite von 3,376 auf 4,319 Prozent. Insgesamt sammelte die Regierung in Madrid mit drei Anleihen knapp 2,6 Milliarden Euro ein, das Ziel von insgesamt 3,5 Milliarden Euro verfehlte sie damit deutlich.

Die Nachfrage überstieg das Angebot nur um das 2,4-Fache. Zuletzt war eine ähnliche Auktion noch mehr als fünffach überzeichnet gewesen. Die Risikoaufschläge für zehnjährige spanische Anleihen weiteten sich prompt aus und erreichten mit 392 Basispunkten das höchste Niveau seit November 2011. Branchenbeobachter hatten bereits erwartet, dass sich die Finanzierungssituation für Spanien verschlechtern würde, nachdem die Sorgen um Griechenland dank der erfolgreichen Umschuldung in den Hintergrund gerückt sind.

Lichtblick für Portugal

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte mit zwei großen Geldspritzen für die Banken im Dezember und Ende Februar dafür gesorgt, dass sich die Lage an den Anleihemärkten etwas entspannte. Denn viele Geldinstitute konnten das zum Leitzins von einem Prozent erhaltene Geld in den rentablen Kauf von Bonds der Schuldenländer stecken. Der leichte Abwärtssog bei den spanischen Bonds wirkte sich jetzt aber auch auf Italien aus, das sich ebenfalls steigenden Renditen gegenübersieht.

Einen Lichtblick gab es dagegen für Portugal, das erstmals seit Anfang 2011 wieder das Interesse der Investoren am Kapitalmarkt testete. Das hoch verschuldete Land, das im Frühjahr 2011 unter den Euro-Rettungsschirm geflüchtet war, zahlte den Investoren für 18-monatige Schuldtitel einen Zins von 4,5 Prozent. Das war weit weniger als im März 2011, als 5,9 Prozent fällig wurden.

Laut EU-Währungskommissar Olli Rehn ist das Land jedoch noch nicht über dem Berg. Die EU sollte bereit ein, irgendwann in der Zukunft mehr Hilfen für das Land zur Verfügung zu stellen, sagte Rehn im finnischen Fernsehen. "Von EU-Seite wäre es klug, auf eine Art von Brücke für Portugal vorbereitet zu sein, wenn das Land an die Finanzmärkte zurückkehrt". Nach bisherigen Planungen soll es im September 2013 soweit sein.

Die Kurse deutscher Staatsanleihen drehten am Mittwoch nach anfänglichen Verlusten ins Plus. Vor allem die enttäuschend verlaufene Auktion der spanischen Anleihen habe die Flucht in die als besonders geltenden Bundesanleihen ausgelöst, sagten Händler.

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