Sonntag, 8. Dezember 2019

Schuldenstaat Kleines Exportwunder lässt Griechen hoffen

Exporte deutlich gestiegen: Container im Hafen von Piräus

Ist es das ersehnte Licht am Ende des Tunnels? Griechenland hat seine Ausfuhren 2011 deutlich gesteigert, das Handelsdefizit schrumpft. Noch rätseln Ökonomen über die Ursachen des kleinen Exportwunders. Sicher ist: Es geht um mehr als Schafskäse und Olivenöl.

Hamburg - Die griechische Wirtschaft genießt in Ökonomenkreisen nicht eben einen schillernden Ruf. An die Struktur eines Schwellenlandes fühlt sich Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erinnert. In Papua-Neuguinea seien die Investitionsbedingungen nicht viel schlechter, ätzt Jörg Hinze vom Hamburgischen Institut für Wirtschaftsforschung. Kein Wunder, dass Hellas als Teil der Euro-Zone ein gigantisches Handelsdefizit aufbaute.

Doch nun immerhin dies: 2011 sind die griechischen Exporte nach ersten statischen Auswertungen deutlich gestiegen. Ein Wachstum von 9,4 Prozent weist das Statistikamt für Waren mit Ausnahme von Mineralölprodukten und Schiffen aus. Die Bank of Greece kommt sogar auf eine Rate von 17,3 Prozent.

Gleichzeitig gingen die Importe deutlich zurück. Das Handelsbilanzdefizit hat sich für diese Waren ohne Öl und Schiffe laut Zentralbank binnen zwei Jahren von 20 Milliarden (2009) auf 13 Milliarden Euro (2011) reduziert. Im Dienstleistungsbereich - vor allem dem Tourismus - läuft es den Angaben zufolge ebenfalls besser.

"Das ist ein kleines Hoffnungszeichen", sagt HWWI-Ökonom Hinze mit Blick auf die gestiegenen Exporte. Die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft habe sich offenbar bereits leicht verbessert. So sind die Löhne laut Internationalem Währungsfonds in Griechenland im vergangenen Jahr um 3,5 Prozent gesunken.

"Das ist ein kleines Hoffnungszeichen"

Von einem Ende der Dauerrezession mag die griechische Wirtschaft zwar noch weit entfernt sein - es mangelt an einer industriellen Basis im Land, und die Binnennachfrage ist zusammengebrochen.

Doch die jüngsten Exporterfolge bringen zumindest ein bisschen Selbstbewusstsein in das gebeutelte Land zurück.

Gleich in mehreren Branchen geht es bei den Ausfuhren deutlich aufwärts. "Besonders eindrucksvoll" sei die Steigerung bei Nahrungsmitteln mit 80 Prozent, sagt die Repräsentantin der deutschen Außenhandelsagentur Germany Trade and Invest (gtai) in Athen, Michaela Balis. Im Handel mit Deutschland wuchsen vor allem Käseexporte.

Doch es sind keinesfalls nur Kuh- und Schafmilcherzeugnisse, Olivenöl und Wein, die im Rest der Welt gefragter sind. Exportgut Nummer Eins in andere EU-Länder war von Januar bis November 2011 Aluminium. Der Wert ausgeführter Vorprodukte aus dem Metall schnellte binnen Jahresfrist um gut ein Drittel auf knapp eine Milliarde Euro empor. Die griechische Aluminiumwirtschaft gilt schon seit einigen Jahren als vergleichsweise wettbewerbsfähig - nicht zuletzt wegen der zahlreichen Vorkommen des Rohstoffs Bauxit im Land. Auch die Ausfuhr von Elektronikprodukten legte - auf hohem Niveau - deutlich zu.

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