Samstag, 19. Oktober 2019

Gelockerte Geldpolitik China will Wachstumsflaute verhindern

Unter Druck: Chinas Wirtschaft wächst langsamer

Chinas Führung fürchtet eine schmerzhafte Delle im Wirtschaftswachstum. Zum zweiten Mal in Folge vergrößert die Notenbank den Spielraum für Geldinstitute bei der Kreditvergabe - so soll die Lokomotive der Weltwirtschaft wieder Fahrt aufnehmen. Damit wächst allerdings die Inflationsgefahr.

Peking - Chinas Regierung lockert erneut seine Geldpolitik, um die Konjunktur zu stützen. Angesichts einer deutlichen Abkühlung soll der Mindestreservesatz der Geschäftsbanken zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten gesenkt werden, kündigte die Zentralbank in Peking auf ihrer Webseite an. Damit solle vor dem Hintergrund eines "düsteren wirtschaftlichen Ausblicks" das Wachstum der chinesischen Wirtschaft gesichert werden, schrieb die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Mit Wirkung vom 24. Februar werde der Mindestreservesatz für große Geschäftsbanken um 0,5 Punkte auf 20,5 Punkte gesenkt, gab die Zentralbank bekannt. Damit haben die Geldhäuser etwa bis zu umgerechnet knapp 50 Milliarden Euro mehr Geld zur Vergabe von Krediten Chinas Unternehmen zur Verfügung, die angesichts der Schuldenkrise in Europa mit sinkenden Exporten und angesichts der inflationsdämpfenden Maßnahmen ihrer eigenen Regierung mit einer lustlosen Konjunktur zu kämpfen haben.

Die Abkühlung des chinesischen Wachstums geht bereits ins fünfte Quartal. Das Wachstum war von zweistelligen Raten auf zuletzt 8,9 Prozent im Schlussquartal 2011 gesunken. Die meisten Prognosen gehen von einer weiteren Abkühlung aus. Im Januar waren Chinas Exporte um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken.

Inflation steigt an

Die Zentralbank hat daher seit drei Monaten ihren Fokus weg von der Inflationsbekämpfung und hin zu konjunkturfördernden Maßnahmen verschoben. Die erste Senkung des Mindestreservesatzes (von 21,5 auf 21 Prozent) war im November vergangenen Jahres erfolgt - erstmals seit drei Jahren. Das erneute Senken der Reserveanforderungen solle helfen, mehr "Liquidität in das Bankensystem zu injizieren" und so Unterstützung für die reale Wirtschaft bereitzustellen, zitierte Xinhua einen Analysten.

Gleichzeitig aber kämpft die kommunistische Führung in Peking mit dem Dilemma, ihre Geldpolitik angesichts des anhaltenden Inflationsdrucks nur schrittweise lockern zu können. Der Konsumpreisindex war im Januar erneut von 4,1 auf 4,5 Prozent gestiegen. Daher erwarten die meisten Analysten fürs erste keine Senkung der chinesischen Zinsraten.

Auch wenn die chinesische Führung stets die Bedeutung einer stabilen Geldpolitik betone, sei eine Senkung der Mindestreserve-Anforderung nötig, sagte Volkswirt Hua Zhongwei von Huachuang Securities. Denn die Konjunkturdaten vom Januar deuteten auf einen weiteren Abschwung der Wirtschaft hin.

Faktische Rezession nicht ausgeschlossen

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten rechnen im Schnitt damit, dass sich das Wachstum im ersten Quartal aufs Jahr hochgerechnet auf 8,2 Prozent von 8,9 Prozent im Schlussquartal 2011 verlangsamt. Die Regierung in Peking geht davon aus, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr unter die Marke von 8 Prozent sinken wird.

Einige Experten schließen sogar nicht aus, das es unter 7 Prozent fallen könnte. Das käme einer Rezession gleich, sagte Paul Markowski von MES Avisers. Denn die meisten Fachleute schätzen, dass China ein Wachstum von 8 Prozent benötigt, um dem jährlichen Ansturm am Arbeitsmarkt Herr zu werden. 2011 wuchs die Wirtschaft noch um 9,2 Prozent, 2010 sogar um 10,4 Prozent.

Ein Abschwung könnte auch globale Folgen haben, da China angesichts der Schuldenkrise in Europa und der Konjunkturunsicherheiten in den USA zum wichtigsten Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft wurde. Chinas Vize-Präsident Xi Jinping trat diesen Sorgen entgegen.

"Chinas Wirtschaft wird weiter stabiles Wachstum aufweisen. Es wird keine sogenannte harte Landung geben", versicherte der 58-Jährige, der als designierter Nachfolger von Staatsoberhaupt Hu Jintao gilt, zum Abschluss seiner USA-Reise. Der Exportweltmeister werde zudem weitere daran arbeiten, den Binnenkonsum zu stärken und mehr zu importieren.

mh/nis/dapd/rtr/dpa-afx

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