Donnerstag, 18. Juli 2019

Kältewelle Russland liefert weniger Gas, Stromversorgung bleibt stabil

Druckabfall: In Europa kommt offenbar weniger Gas aus Russland an

Die anhaltende Kältewelle wirkt sich offenbar auf die Energieversorgung aus. In Österreich und Italien kommt deutlich weniger Gas aus Russland an - Gazprom jedoch dementiert Lieferprobleme. Die Stromversorgung in Deutschland ist derweil trotz abgeschalteter Atomkraftwerke nicht gefährdet.

Moskau - Inmitten der heftigen Kältewelle hat Russland seine Gaslieferungen an Europa nach Angaben von Abnehmern drastisch verringert. Der österreichische Energiekonzern OMV teilte am Donnerstag mit, in Österreich kämen derzeit 30 Prozent weniger Erdgas an als sonst.

Der russische Staatskonzern Gazprom Börsen-Chart zeigen zeigte sich überrascht und wies die Anschuldigungen zurück. "Mitten in einem harten Winter in Russland und Europa hat unser Unternehmen die maximalen Gaslieferungen nicht nur in europäische Länder erhöht", sagte Gazprom-Vize Alexander Medwedew nach Konzernangaben.

Italien warf Russland nach Angaben der Agentur Interfax vor, 20 Prozent weniger Gas geliefert zu haben. Ähnliche Vorwürfe kamen auch aus Tschechien, Ungarn, Polen und der Slowakei, wie die Moskauer Wirtschaftszeitung "Wedomosti" am Donnerstag schrieb. Bereits zuvor hatten Medien berichtet, der russische Energieriese liefere weniger Gas als vereinbart, um die höhere Nachfrage auf dem heimischen Markt zu bedienen. Gazprom hatte dies ebenfalls zurückgewiesen.

Wind und Sonne stützen Stromversorgung in Deutschland

Die betroffene Leitung führe durch die Ukraine und die Slowakei und versorge ebenso Italien, berichtete OMV Börsen-Chart zeigen. Der Konzern betonte, es werde keine Probleme geben, durch "eine starke Inlandsproduktion und strategische Speichervorräte" könnten die fehlenden Gasmengen ersetzt werden.

Die OMV beziehungsweise ihre Tochterfirma EconGas sind nach eigenen Angaben mit Gazprom in Kontakt. In Österreich werden jährlich rund neun Milliarden Kubikmeter Gas verbraucht. 47 Prozent davon stammen aus Russland. Dort war der Gasverbrauch wegen der extremen Kälte zuletzt auf einen Rekordwert von zwei Milliarden Kubikmetern pro Tag geklettert.

Beim deutschen Versorger Wingas in Kassel hieß es, die Lieferungen aus Russland seien am Mittwoch - gemäß einer vorherigen Absprache - gedrosselt worden. Derzeit werde der Bedarf verstärkt aus Erdgasspeichern in Deutschland bedient, sagte ein Sprecher. "Die Speicher sind gut gefüllt, und wir können die Kunden zuverlässig versorgen." Allein aus einem Speicher in Rehden (Niedersachsen) könnten zwei Millionen Einfamilienhäuser ein Jahr lang versorgt werden.

Wingas bezieht knapp die Hälfte seines Erdgases aus Russland, der Rest stammt aus Westeuropa, vor allem aus der Nordsee. Auch Eon-Ruhrgas verwies in Essen auf gut gefüllte Speicher. Liefereinschränkungen seien momentan nicht absehbar.

Die Stromversorgung in Deutschland gerät angesichts der extremen Kälte bisher nicht in Gefahr. "Alle wesentlichen Kraftwerke sind verfügbar", sagte eine Sprecherin des Netzbetreibers Tennet gegenüber manager magazin online. Zudem speisten die Windkraft- und Solaranlagen genügend Strom ein, und die Stromnachfrage sei nicht sehr hoch. "Diese Faktoren sprechen dafür, dass es keine kritische Lage gibt."

Das könne sich jedoch ändern. Wenn ein größeres Kraftwerk ausfalle, müsse der Netzbetreiber möglicherweise auf Reservekraftwerke zurückgreifen, sagte die Unternehmenssprecherin. Nachdem in Deutschland 2011 acht Atomkraftwerke vom Netz gegangen waren, hatten Energieexperten und Industrievertreter wiederholt vor Blackouts gewarnt.

nis/dpa

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