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Megaupload: Der Millionär und sein Fuhrpark

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Prozess gegen Mega-Upload Staranwalt verteidigt Kim Schmitz

Nach ihrer Verhaftung bekommen die Manager des Datenaustauschdienstes Mega-Upload Unterstützung von Robert Bennet. Der US-Anwalt ist aus Prozessen gegen Bill Clinton und den Energiekonzern Enron bekannt. Der Rachefeldzug von Hackern geht unterdessen weiter.

Alexandria - Der von der US-Justiz geschlossene Online-Speicherdienst Megaupload wird vor Gericht von einem der prominentesten Anwälte der USA verteidigt. Robert Bennett teilte am Freitag mit, dass er das wegen Urheberrechtsverletzungen angeklagte Unternehmen vertrete. Er versprach eine engagierte Verteidigung, lehnte es aber ab, auf Einzelheiten des Falles einzugehen.

Bennett wurde nicht zuletzt durch seine Verteidigung des ehemaligen Präsidenten Bill Clinton bekannt. Diesem war von einer Frau sexuelle Belästigung vorgeworfen worden. Bennett war auch Verteidiger des US-Energiekonzerns Enron, der nach massiven Bilanzfälschungen 2001 Insolvenz anmelden musste.

Die US-Justiz hat Anklage gegen sieben Personen erhoben, darunter vier Deutsche. Vier Megaupload-Manager wurden am Donnerstag in Neuseeland festgenommen. Drei sind noch flüchtig. Wann der Fall in den USA vor Gericht kommt, ist noch unklar. Allein eine Auslieferung der Beschuldigten von Neuseeland an die USA kann ein Jahr oder länger dauern, wenn sie dagegen vorgehen.

Die Polizei in Neuseeland durchsuchte mehrere Wohnungen und Geschäftsräume, die mit dem deutsch-finnischen Firmengründer Kim Dotcom in Verbindung gebracht wurden. Dabei wurden Waffen, mehrere Millionen Dollar und Luxuswagen für fast fünf Millionen Dollar beschlagnahmt.

Schmitz verbarrikadierte sich in seiner Villa

Die Polizei gab Einzelheiten ihrer Razzia auf Dotcoms Anwesen in Coatesville nördlich von Auckland bekannt: Demnach seien die Polizisten mit zwei Hubschraubern eingeflogen, berichtete Ermittler Grant Wormald. Schmitz habe sich ins Haus zurückgezogen und alle Türen elektronisch verschlossen. "Während die Polizei diese Schlösser neutralisierte, verbarrikadierte er sich in einem speziellen Raum in dem Haus und Beamte mussten sich den Weg dorthin freischneiden", sagte Wormald. "In dem Raum angekommen fanden sie Schmitz in der Nähe einer Waffe, die wie ein verkürztes Gewehr aussah."

Am Firmensitz von Megaupload in Hongkong beschlagnahmte der Zoll Guthaben über mehr als 42,5 Millionen Dollar. Die Firma operierte demnach von einer Suite in einem Luxushotel aus, die mehr als 12.000 Dollar am Tag kostet. Dort wurden Hochleistungsserver und andere Geräte beschlagnahmt.

Sarkozy offenbar Ziel von Hackern

Das Vorgehen der US-Justiz blieb nicht ohne Reaktion aus der Internetszene. Wenigen Stunden nach der Schließung von Megaupload legten Hacker der Gruppe Anonymous vorübergehend die Websites des US-Justizministeriums und des Verbands der US-Filmindustrie lahm, die härtere Gesetze gegen die Verbreitung von Raubkopien im Internet befürworten.

Am Freitag griff Anonymous zudem die Website des französischen Präsidialamtes an. Am Ende der Adresszeile auf der Internetseite des Elysée-Palastes waren vorübergehend Sprüche zu lesen, etwa der Anonymous-Slogan "We Are Legion" ("Wir sind eine Heerschar"), wie auf Screenshots zu sehen war, die am Freitagabend im Internet kursierten. Auch andere Sprüche wie "Die lächerlichste Präsidentschaft der Geschichte" waren in englischer Sprache eingefügt.

Am Abend war die Website wieder in ihrer normalen Fassung zu sehen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte in der Nacht zum Freitag die Schließung von Megaupload.com begrüßt.

mh/dapd/AFP