Umschuldung Papademos droht Gläubigern mit Zwang

Der griechische Ministerpräsident Lukas Papademos erhöht den Druck auf die privaten Gläubiger. Zwar erwarte er in der neuen Verhandlungsrunde mit dem Internationalen Bankenverband eine Einigung auf einen Forderungsverzicht. Ansonsten könne das Land dies aber auch per Gesetz erzwingen.
Geduldsprobe: Griechenlands Regierungschef Papademos

Geduldsprobe: Griechenlands Regierungschef Papademos

Foto: YIORGOS KARAHALIS/ REUTERS

New York - Sollte es mit den Banken nicht zu einer Einigung über deren Beteiligung an dem 130 Milliarden Euro schweren Schuldenschnitt kommen, wäre dies eine Möglichkeit, sagte Papademos der "New York Times" vom Mittwoch. Vertreter des Internationalen Bankenverband IIF und der griechischen Regierung wollten am Nachmittag ihre Gespräche über eine Beteiligung des Privatsektors am zweiten Hilfsprogramm für Athen fortsetzen.

Umstritten ist nach wie vor vor allem der Zinssatz der neuen Anleihen, die nach einer Einigung die alten ersetzen sollen. Die Gläubiger seien bereit, bei 5 Prozent zuzustimmen, hieß es aus dem Finanzministerium. Athen hatte 4 Prozent ins Spiel gebracht, wichtige Geldgeber wollen 3 Prozent erreichen. Bis zum 23. Januar soll eigentlich das Rahmenabkommen mit den Banken stehen, damit die Euro-Gruppe und danach der EU-Gipfel Ende Januar Grünes Licht geben können. Sollte ein unerwartetes Problem auftreten, könnte Griechenland am 20. Marz die nächste Rate seiner Schuldentilgung nicht zahlen und pleite gehen.

Papademos zeigte sich in dem Interview jedoch überzeugt, dass es nicht zu einer gesetzlichen Regelung kommen werde. Trotz der schwierigen Materie stehe eine Einigung kurz bevor. Die griechische Regierung verhandelt seit Wochen mit ihren privaten Gläubigern über die Details eines in Grundzügen bereits im Oktober vereinbarten Programms, das einen freiwilligen Verzicht auf einen Teil der Forderungen vorsieht. Die Gespräche sind zuletzt aber ins Stocken geraten.

Die Beteiligung der privaten Investoren ist eine Bedingung für das ursprünglich auf 130 Milliarden Euro veranschlagte zweite Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF). Dabei wird ein Verzicht der privaten Gläubiger von rund 100 Milliarden Euro angepeilt. Dies würde aber nur funktionieren, wenn die ursprünglich geplante Beteiligungsquote von 90 Prozent erreicht wird. Stimmen weniger Gläubiger dem geplanten Forderungsverzicht von 50 Prozent zu, müsste die dadurch aufgerissene Finanzlücke voraussichtlich von den Euro-Partnern geschlossen werden.

Kursgewinne für deutsche Bundesanleihen

In Athen befinden sich auch Experten der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einer neue Kontrolle des griechischen Reformprogramms. Mit Ergebnissen wird in der nächsten Woche gerechnet. Die Experten prüfen in regelmäßigen Abständen, welche Fortschritte Athen bei der Umsetzung der Auflagen für die internationalen Kredithilfen gemacht hat. Davon hängt die Auszahlung der nächsten Tranche aus dem Hilfspaket ab.

Wegen der Unsicherheit über den Ausgang der Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern sind Bundesanleihen am Mittwoch leicht gestiegen. Investoren hätten Angst, dass die Gespräche scheitern könnten und das Mittelmeerland dann in die Pleite stürzt, hieß es von Händlern.

Griechische zehnjährige Anleihen rentierten am Vormittag mit 35,6 (spätes Vortagesgeschäft: 34,8) Prozent. Der richtungsweisende Bund-Future lag sechs Ticks höher bei 139,74 Zählern. Zehnjährige Papiere lagen zwölf Ticks im Plus bei 101,98 Zählern. Die trotz der Unsicherheit vergleichsweise geringen Zuschläge bei den deutschen Anleihen führten Händler darauf zurück, dass Investoren Platz in ihren Büchern frei halten wollten für die Auktion zweijähriger Bundesanleihen. Spannend wird allerdings die Frage, inwiefern Anleger tatsächlich bereit sind, die sehr niedrig verzinsten Papiere zu kaufen. Im Vorfeld der Versteigerung rentierten die zweijährigen Papiere nahezu unverändert mit 0,185 Prozent.

Eine problemlose Platzierung erwarteten Investoren für neue kurzlaufende portugiesische Anleihen. Experten gingen davon aus, dass vor allem einheimische Banken die Papiere nachfragen werden. Portugiesische Zehnjährige rentierten wenig verändert mit 14,5 Prozent.

ak/rtr/dpa
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