Düstere Prognose Weltbank warnt vor Weltwirtschaftskrise

Absturz in der Euro-Zone, lahmende Schwellenländer, schwaches globales Wachstum: Die Weltbank zeichnet in ihrer Prognose für 2012 ein düsteres Bild von der Weltwirtschaft. Es könnte sogar noch schlimmer kommen als zu Zeiten der Finanzkrise.
Düstere Aussichten: Die Weltbank warnt vor einem Absturz der gesamten Weltwirtschaft

Düstere Aussichten: Die Weltbank warnt vor einem Absturz der gesamten Weltwirtschaft

Foto: Marcus Brandt/ dpa

Washington/Peking - Die Euro-Zone wird in diesem Jahr in die Rezession rutschen. Davon geht die Weltbank in ihrem heute vorgelegten Ausblick aus. Weltweit erwartet das Institut nur noch ein Wachstum von 2,5 Prozent in diesem und 3,1 Prozent im nächsten Jahr.

Sollte sich die Krise verschlimmern, würde sie nach Ansicht des Chefautor des Berichts, Andrew Burns, keine Weltregion verschonen. "Das Wachstum in Industrieländern wie auch in aufstrebenden Staaten könnte noch weit stärker abstürzen als während der Krise 2008/09." Mit 2012 habe ein "schwieriges Jahr" begonnen. "Die Weltwirtschaft ist in eine gefährliche Phase eingetreten", warnt der Report.

Die Wirtschaft der Euro-Zone wird der Weltbank-Prognose zufolge in diesem Jahr um 0,3 Prozent schrumpfen und dann 2013 wieder leicht um 1,1 Prozent wachsen. Im Juni war noch von einem Euro-Zonen-Plus von 1,8 Prozent für 2012 die Rede gewesen. Das erwartete globale Wachstum wurde um mehr als einen Prozentpunkt für dieses Jahr gestutzt.

Auch Schwellen- und Entwicklungsländer wie China und Indien - sonst Wachstumslokomotiven der Weltwirtschaft - müssen satte Abstriche hinnehmen: Für diese Staaten erwartet die Weltbank für 2012 im Schnitt nur noch ein Plus von 5,4 Prozent, im nächsten Jahr von 6 Prozent. Im Juni wurde noch mit jeweils 6,2 und 6,3 Prozent gerechnet.

Gefahr einer Abwärtsspirale

Dabei ist es laut Weltbank noch nicht einmal sicher, dass die nach unten korrigierten Wachstumszahlen erreicht werden. Der Absturz in Europa und die Schwäche in Schwellen- und Entwicklungsländern könnten sich gegenseitig verstärken - und zu einem noch heftigeren globalen Abschwung führen, heißt es in dem Bericht.

Zwar seien die unmittelbaren Gefahren durch die Maßnahmen in der Euro-Zone - etwa durch den Rettungsfonds EFSF und die Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) - zunächst gebannt. "Das Risiko eines weit umfangreicheren Einfrierens der Kapitalmärkte und eine globale Krise vom Ausmaß der Lehman-Krise bleibt aber bestehen."

Sollte weiteren Ländern Zugang zu Kapital verwehrt werden, sei nicht auszuschließen, dass eine weit schwerere Finanzkrise Banken und Finanzinstitutionen auf beiden Seiten des Atlantiks erfasst. "Das würde die Welt in eine Rezession stürzen, die genauso groß oder sogar größer sein könnte wie die der Jahre 2008/09."

Schlimmer noch: Weil Industrie- und Schwellenländer zahlreiche Gegenmittel schon in der vorangegangenen Krise ausgeschöpft hätten, dürfte die Welt sich von einem neuerlichen Absturz nicht so schnell erholen wie zuvor. Die Finanzen sowohl reicher wie armer Staaten sind gebeutelt, und in den Industrienationen könnten die Zentralbanken nicht mehr so kräftig gegensteuern wie 2008/09.

mg/dpa
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