Donnerstag, 14. November 2019

3 Prozent Wachstum in 2011 Deutsche Wirtschaft im Winter ausgebremst

Blick über den Hamburger Hafen: Deutschland trotzt der lahmenden Weltkonjunktur

Starke Binnennachfrage und brummende Exporte: Die deutsche Wirtschaft hat sich 2011 mit aller Kraft gegen die Euro-Schuldenkrise und die lahme Weltkonjunktur gestemmt. Das schwache vierte Quartal deutet allerdings auf veränderte Vorzeichen für dieses Jahr hin.

Wiesbaden - Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 3 Prozent gewachsen. Damit legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Jahr in Folge deutlich zu und lag weiterhin in der Nähe der Höchststände seit der deutschen Wiedervereinigung, die in den Jahren 2006 und 2010 mit jeweils 3,7 Prozent erreicht wurden, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mitteilte.

Die Rolle des Wachstumsmotors sei im Jahr 2011 verstärkt von der Exportwirtschaft auf die Binnennachfrage übergegangen, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler. Die Deutschen hätten deutlich mehr konsumiert und investiert als ein Jahr zuvor. Aber auch der Außenhandel habe sich im abgelaufenen Jahr dynamisch gezeigt und konnte ebenfalls zur positiven konjunkturellen Entwicklung beitragen.

Egeler hob als Grund für die robuste Lage der deutschen Wirtschaft 2011 die gute Verfassung des Arbeitsmarkts hervor. "In Deutschland gab es noch nie so viele Erwerbstätige", sagte Egeler. Zudem habe sich die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden nach ersten Schätzungen um 1,8 Prozent erhöht. Hierzu habe vor allem die Rückkehr zu tarifvertraglich geregelten Wochenarbeitszeiten, die Rückführung der Kurzarbeit und der Aufbau von Überstunden beigetragen.

"Erstaunliches Ergebnis"

Die Bundesregierung hatte 2011 mit einem Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent gerechnet, die fünf Wirtschaftsweisen hatten ein Plus von 3 Prozent vorhergesagt. Das Krisenjahr 2009 hatte Deutschland mit einem Minus von 5,1 Prozent die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg beschert.

Analysten zeigen sich mit dem Ergebnis vor dem Hintergrund der Euro-Schuldenkrise zufrieden. "Angesichts der wieder aufgeflammten massiven Finanzverwerfungen in der zweiten Jahreshälfte ist das ein erstaunliches Ergebnis", meint etwa Andreas Scheuerle von der Dekabank. Von allen Komponenten seien kräftige Wachstumsbeiträge gekommen, am stärksten vom Konsum, gefolgt von den Investitionen und dem Außenbeitrag.

Im laufenden Jahr wird die Euro-Schuldenkrise allerdings deutlich stärker auf die konjunkturelle Entwicklung durchschlagen. Im Durchschnitt erwarten Experten für 2012 nur ein mageres Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent.

Wirtschaft im vierten Quartal geschrumpft

Darauf deutet schon das schwache vierte Quartal in Deutschland hin. Das Bruttoinlandsprodukt sei von Oktober bis Dezember um etwa 0,25 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt weiter mit. Im dritten Quartal (plus 0,5 Prozent) hatte das BIP zum Vorquartal noch ebenso zugelegt wie im zweiten (plus 0,3 Prozent) und im ersten Vierteljahr 2011 (plus 1,3 Prozent).

Zuletzt war die Wirtschaftsleistung auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 zurückgegangen. Sinkt sie auch zu Jahresbeginn, steckt Deutschland in einer Rezession.

Defizitquote lag bei einem Prozent

Im Zuge der positiven wirtschaftlichen Entwicklung konnte Deutschland im abgelaufenen Jahr auch die Verschuldungskriterien der Europäischen Union wieder einhalten. Die Defizitquote der öffentlichen Haushalte lag 2011 bei einem Prozent, wie die Statistiker weiter mitteilten. Erlaubt sind bis zu 3 Prozent.

Damit wird die Obergrenze des EU-Stabilitätspaktes erstmals seit drei Jahren wieder eingehalten. In den Jahren 2009 (3,2 Prozent) und 2010 (4,3 Prozent) hatte Deutschland dagegen verstoßen.

Unter dem Strich stand für das vergangene Jahr ein Fehlbetrag von 26,7 Milliarden Euro. Im Vorjahr belief sich der Finanzierungssaldo von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung auf minus 105,86 Milliarden Euro.

Volkswirte gehen allerdings davon aus, dass sich die Exportnation Deutschland angesichts des weltweiten Konjunkturabschwungs und der anhaltenden Schuldenkrise im Euro-Raum auf Dämpfer einstellen muss. Für das laufende Jahr wird im Schnitt mit allenfalls 0,5 Prozent Wachstum gerechnet.

mg/dpa/dpa/afx/rtr/afp

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