Montag, 18. November 2019

Bekämpfung der Schuldenkrise Asmussen beschwört Einigkeit der EZB-Spitze

Will den Richtungsstreit in der EZB beenden: Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen

Sechs Freunde sollt ihr sein: Das Führungsgremium der Europäischen Zentralbank muss "ein Team" sein, fordert Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen - und kritisiert damit indirekt seinen Vorgänger Jürgen Stark. Doch der Streit über die richtigen Mittel im Kampf gegen die Krise geht munter weiter.

Berlin - EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hat ein geschlossenes Auftreten der neuen Führung der Europäischen Zentralbank angemahnt. "Das Exekutiv-Direktorium muss ein Team sein", sagte Asmussen der "Welt am Sonntag" laut Vorabbericht. "Es muss nach außen geschlossen auftreten", ergänzte der frühere Finanz-Staatssekretär und kritisierte damit indirekt seinen Vorgänger im EZB-Direktorium, Jürgen Stark.

Der einstige EZB-Chefvolkswirt hatte sich gegen die Anleihenkäufe der Notenbank ausgesprochen. Zuvor hatte Asmussen die Staatsanleihenkäufe der Zentralbank gegen Kritik verteidigt. Die Käufe seien mit dem Mandat der EZB vereinbar, sagte er dem Südwestrundfunk. Der Kauf müsse aber zeitlich und vom Volumen her begrenzt werden. Und für eine engere Fiskalunion müssten die EU-Länder selbst sorgen. "Der Ball liegt in den Ländern", betonte Asmussen.

Seit Mai 2010 hat die Zentralbank Bonds von klammen Eurostaaten wie Italien und Spanien im Gesamtwert von 211,5 Milliarden Euro aufgekauft. Die EZB verteidigt ihre begrenzten Käufe mit der Stützung der Märkte, drückt aber mit der Intervention die Zinskosten von Euro-Problemländern wie Italien und Spanien.

Andere Töne schlägt dagegen EZB-Ratsmitglied Luc Coene an: Der Chef der belgischen Zentralbank sprach sich gegen direkte Ankäufe von Staatsanleihen durch die EZB aus. Dies würde bedeuten, dass die Bank ein großes politisches Risiko zu tragen habe.

Insgesamt sei Europa dabei, seine Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Es bedürfe jedoch noch einige Zeit um festzustellen, bis zu welchem Grad die beschlossenen Sparmaßnahmen wirksam seien, sagte Coene am Samstag im belgischen Hörfunksender La Premiere. Die Finanzmärkte würden die Staaten dann mit Geld versorgen, wenn deren Sparanstrengungen Wirkung zeigten.

Spekulationen über einen Zusammenbruch der Euro-Zone infolge der Schuldenkrise seien "völlige Hirngespinste", sagte Coene. Selbst wenn Griechenland die Währungszone verlassen sollte, was völlig unvorstellbar sei, werde Europa zusammenstehen, um das System zu schützen.

mh/reuters

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