Freitag, 18. Oktober 2019

Historischer Negativrekord 4,42 Millionen Arbeitslose in Spanien

Schlangen vor dem Arbeitsamt: Zahl der Jobsucher steigt in Spanien weiter
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Schlangen vor dem Arbeitsamt: Zahl der Jobsucher steigt in Spanien weiter

Es ist eine gegenläufige Entwicklung: Während sich in Deutschland die Chancen für Jobsucher verbessern, geht in Spanien die Zahl der Arbeitslosen in die Höhe. Im Dezember stieg sie den fünften Monat in Folge - auf das höchste Niveau seit Einführung der monatlichen Arbeitslosenstatistik.

Madrid - Europa ist tief gespalten in Staaten, in denen es wirtschaftlich in den vergangenen Monaten tendenziell besser läuft als zuvor und in solche, die weit abgeschlagen hinterher traben. Das macht sich für die Bevölkerung hart bemerkbar: Während etwa in Deutschland die Arbeitslosigkeit sinkt und die Erwerbstätigkeit steigt, kommt Spanien nicht voran.

In diesem Euro-Zonenland ist die Arbeitslosigkeit im Dezember den fünften Monat in Folge gestiegen. Die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung habe im Vergleich zum Vormonat aber nur minimal um 1.897 auf rund 4,42 Millionen zugelegt, teilte das spanische Arbeitsministerium am Dienstag mit. Im November habe der Zuwachs bei der Zahl der Arbeitslosen noch knapp 60.000 betragen. Allerdings hatte es in Spanien im vergangenen Jahr auch kürzere Phasen mit anscheinend steigender Beschäftigung gegeben, die im längeren Trend allerdings nicht ins Gewicht gefallen waren.

Spaniens Wirtschaft leidet unter den Folgen eines geplatzten Immobilienbooms, der von den seinerzeit niedrigen Zinsen in Euro-Land angefacht worden war. In der Finanzkrise platzte die Blase, die dann darbende Bauindustrie zog Spanien - neben anderen Faktoren - in die Krise. Jetzt belasten Spanien harte Sparmaßnahmen der Regierung in Madrid die Wirtschaftsentwicklung. Der neue Ministerpräsident Spaniens, Mariano Rajoy, kommt allerdings nicht darum herum. Die Haushaltslage des Landes ist weit aus dem Gleichgewicht gelaufen.

Das Defizit des Landes ist im vergangenen Jahr 2011 offenbar sogar höher ausgefallen, als lange angenommen. Es sei möglich, dass das Haushaltsloch 8 Prozent der Wirtschaftsleistung übersteige, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos dem Radiosender Cadena Ser. "Ich hoffe, es wird nicht allzu sehr darüber liegen." Das ursprüngliche Ziel von 6 Prozent wurde nach Einschätzung der neuen Mitte-Rechts-Koalition deutlich verfehlt.

In Spanien sind vor allem junge Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen; die Jugendarbeitslosigkeit erreichte dort zuletzt schwindelerregende Höhen von etwa 45 Prozent. Zuletzt ist die spanische Wirtschaft auch durch einen sich abschwächendes Tourismus und geringere Exporte belastet worden - mit tiefen Folgen.

Die spanische Wirtschaft ist zuletzt sogar in die Rezession zurückgefallen. Das hatte die neue Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy am Montag bekanntgegeben. Wirtschaftsminister Luis de Guindos sagte, die Wirtschaftskraft des Landes werde sowohl im viertel Quartal 2011 als auch in den ersten drei Monaten 2012 schrumpfen. Der Minister vermied das Wort "Rezession" und sprach stattdessen von einem "negativen Wachstum".

Erst im vergangenen Jahr hatte sich Spanien von einer zweijährigen Rezession erholt. In den ersten beiden Quartalen 2011 verbuchte das Land ein Wachstum, im dritten ein Nullwachstum.

kst/dpa-afx/rtr

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