Hilfe für Krisenstaaten EZB fährt Anleihekäufe stark zurück

Nachdem sie eine halbe Billion in den Markt pumpte, hat die Europäische Zentralbank ihre Käufe von Staatsanleihen drastisch reduziert. Die Rating-Agentur Standard & Poor's warnt: Europas Banken drohten trotz der EZB-Hilfen Herabstufungen.
EZB-Zentrale in Frankfurt: "Damit wird Zeit gekauft"

EZB-Zentrale in Frankfurt: "Damit wird Zeit gekauft"

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Es war ein Rekordkredit: Fast 500 Milliarden Euro hat die Europäische Zentralbank (EZB) gerade für drei Jahre an europäische Banken verliehen, um eine Verschärfung der Schuldenkrise zu verhindern. An anderer Stelle fuhren die Währungshüter ihre Investitionen in der vergangenen Woche dagegen stark zurück. Sie habe europäische Staatsanleihen im Wert von nur 19 Millionen Euro erworben, teilte die EZB am Samstag mit. In der vorigen Woche waren es noch knapp 3,4 Milliarden Euro.

Seit Mai 2010 hat die Zentralbank von klammen Euro-Staaten wie Italien und Spanien Staatsanleihen im Gesamtwert von 211 Milliarden Euro gekauft. Damit soll der Anstieg der Zinsen auf diese Papiere gebremst werden. Die Käufe sind innerhalb der EZB umstritten, besonders Vertreter der Bundesbank lehnen sie ab. Das EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini Smaghi sagte dagegen noch am Freitag, weitere Aufkäufe von Staatsanleihen seien nicht ausgeschlossen.

Die Ratingagentur Standard & Poor's warnte, trotz des Megakredits der EZB drohten europäischen Banken weitere Herabstufungen. "Dieser Schritt wird für sich genommen nicht zu einer Verbesserung der Kreditbewertung führen", sagte der für die Finanzinstitute zuständige S&P-Manager Scott Bugie. "Die Aktion der EZB ändert nichts am grundlegenden Bild, aber damit wird Zeit gekauft", sagte Bugie. Die Bonitätswächter würden das bei seiner Rating-Überprüfung berücksichtigen.

S&P hatte vor wenigen Tagen vielen großen europäischen Geldhäusern mit einer Herabstufung gedroht, darunter der Deutschen Bank , BNP Paribas , Société Générale und Unicredit .

kst/dpa

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