Missbrauch von Staatsgeldern Serben veruntreuen Milliarden Euro im Kosovo

Mehr als sechs Milliarden Euro flossen in den vergangenen zwölf Jahren von Serbien in das Kosovo. Doch von dem Geld fehlt fast jede Spur, wie eine Zeitung in Belgrad berichtet. In dem Skandal ermittelt nun die Polizei.
KFOR-Soldaten im Kosovo: Unklare Finanzströme

KFOR-Soldaten im Kosovo: Unklare Finanzströme

Foto: ARMEND NIMANI/ AFP

Pristina/Belgrad - Große Teile von Serbiens Milliardenhilfen für Landsleute im Kosovo sind veruntreut worden: Von den 6,2 Milliarden Euro, die aus Belgrads Staatshaushalt in den vergangenen zwölf Jahren nach Pristina geflossen seien, fehle oft jede Spur, berichtete die Zeitung "Press". Innenminister Ivica Dacic bestätigte, dass die Polizei in dem Skandal nun ermittele.

Hohe Summen hätten zum Beispiel Serben erhalten, die schon längst nicht mehr im Kosovo lebten, schrieb die Zeitung. So zahle der staatliche serbische Stromversorger EPS bis heute die Gehälter von rund 6000 Serben, die früher im Kosovo-Kraftwerk Obilic angestellt waren. Sie lebten inzwischen seit vielen Jahren in Serbien und müssten für ihren Lohn nicht arbeiten.

Serbenführer aus dem Kosovo berichteten dem Blatt zudem von Zuschüssen für Unternehmensgründungen, die niemals stattgefunden hatten. Für den Bau vieler Häuser. Für ein Altenheim in Mitrovica und lokale Krankenstationen sei Geld bereitgestellt worden, obwohl diese Projekte nie gebaut wurden.

Der Staat habe für Immobilien bis zu 1000 Euro pro Quadratmeter gezahlt, obwohl er tatsächlich nur 350 Euro gekostet hätte. Für den Bau von Straßen, die nie gebaut wurden, sei ebenso gezahlt worden wie für Straßen, für die weit höhere als die tatsächlichen Kosten abgerechnet wurden.

Serbien unterstützt seine Landsleute vor allem in Nordkosovo. Dort bilden die Serben die Mehrheit, die in ganz Kosovo weniger als 10 Prozent der zwei Millionen Einwohner ausmachen. Diese will sich nicht in den von Albanern geführten Kosovo-Staat integrieren, sondern bei Serbien bleiben. In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Zwischenfällen, bei denen auch Soldaten der Kfor verletzt worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Montag bei einem Besuch im Kosovo wiederholt, Serbien müsse sich aus Nordkosovo zurückziehen - sonst könne es nicht EU-Beitrittskandidat werden.

heb/kst/dpa