Schlussstrich Japan erklärt Fukushima-Reaktor für sicher

Neun Monate nach Beginn der Natur- und Atomkatastrophe in Japan will die Regierung das havarierte Kernkraftwerk Fukushima Daiichi unter Kontrolle haben. Der Reaktor sei durch eine sogenannte Kaltabschaltung gesichert worden. Umweltschützer kritisieren das als Irreführung.
Reinigungstrupps in Fukushima: Vorbereitungen für große Entgiftung gestartet

Reinigungstrupps in Fukushima: Vorbereitungen für große Entgiftung gestartet

Foto: REUTERS / Kyodo

Tokio - Neun Monate nach Beginn der Natur- und Atomkatastrophe in Japan hat die Regierung das havarierte Kernkraftwerk Fukushima Daiichi für sicher erklärt. Das Ziel, die in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom März schwer beschädigten Reaktoren bis zum Jahresende in einem sogenannten "cold shutdown" (Kaltabschaltung) unter Kontrolle zu bringen, sei nun erreicht, verkündete die Regierung am Freitag.

Die "Kaltabschaltung" ist eine entscheidende Etappe bei der Bewältigung des Unglücks: Die Temperaturen im Innern der Reaktoren liegen nun konstant unter hundert Grad, womit das radioaktive Material in den Reaktorkammern unter Kontrolle ist. "Auch bei unvorhersehbaren Zwischenfällen kann die Strahlung am Rande der Anlage jetzt auf einem niedrigen Niveau gehalten werden", sagte der Regierungschef. Damit kann nun mit dem Abbau der Anlage begonnen werden. Experten warnen jedoch, dass dies bis zu drei Jahrzehnte dauern kann.

Experten und Umweltschützer werfen Japans Regierung allerdings einen falschen Gebrauch des technischen Begriffs der Kaltabschaltung vor. "Hier von Kaltabschaltung zu sprechen grenzt an eine bewusste Lüge", erklärte Reinhard Uhrig, Atomexperte von Global 2000. Die geschmolzenen Brennelemente hätten sich durch den Boden der Reaktordruckbehälter durchgebrannt und lägen nun als Klumpen auf dem Boden der Umhüllung. Dort wiesen sie weiter Temperaturen von schätzungsweise 3000 Grad auf. Von einem sicheren Zustand seien die Reaktoren noch weit entfernt.

In dem Akw war am 11. März durch ein Erdbeben der Stärke 9,0 und einem anschließenden Tsunami das Kühlsystem so schwer beschädigt worden, dass die Brennstäbe in den Reaktoren 1 bis 3 vollständig schmolzen. Um die Reaktorkammern zu kühlen, besprühen die Reparaturtrupps sie weiter mit Wasser. Dazu errichtete der Betreiber Tepco ein Zirkulationssystem, mit dessen Hilfe inzwischen eine stabile Kühlung der Reaktoren gewährleistet sei. Die Entsorgung des verseuchten Wassers stellt weiter eines der größten Probleme dar.

Zeitglich mit der Meldung über die Kaltabschaltung der Atomruine in Fukushima informierte sich eine 45-köpfige japanische Wirtschaftsdelegation in Deutschland vor allem über den Bau von Windkraftanlagen in der See. Der Bereich der Offshore-Windkraft sei besonders ausbaufähig, sagten Mitglieder der Delegation am Freitag nach der Informationsreise quer durch Norddeutschland. Auf Einladung der Deutschen Industrie- und Handelskammer waren die Japaner unter anderem in Emden zu Besuch.

kst/dpa/dpa-afx

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