Die Wirtschaftsglosse Try this at home

Zauderer und Zögerer gibt es genug. Forscher vom Niederrhein zeigen, wie man mit kleinen Mitteln Großes erreicht. Am Ende des Tages wird es nicht beim geplanten Raketenstart per iPhone bleiben.
Hochschulprojekt in Kamp-Lintfort (Abb. ähnlich): Das kann ich auch!

Hochschulprojekt in Kamp-Lintfort (Abb. ähnlich): Das kann ich auch!

Foto: AP/ Xinhua

Zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins - Start! In der kommenden Woche ist es so weit: Kamp-Lintfort läuft Cape Canaveral den Rang ab. "Bilder, die man sonst nur aus Houston kennt" verspricht die Hochschule Rhein-Waal, und mehr: den weltweit ersten Raketenstart per iPhone!

Angesichts eines so historischen Ereignisses ist der Vergleich mit der Nasa zu bescheiden. Schließlich haben die niederrheinischen Forscher der vom Sparzwang geplagten US-Raumfahrtbehörde etwas voraus: Sie haben die Zeichen der Zeit erkannt. Crowdsourcing! Downscaling!

Auch Viertklässler der Montessorischule Wesel nehmen am Raketenstart teil. Das von Studenten entwickelte Countdown-Programm kann sich jeder Interessierte im App-Store herunterladen, zusammen mit einer Bauanleitung für die Startrampe. Das "Gateway" zum Ansteuern der Startrampe ist ein Gerät, das sonst für Garagenrolltore eingesetzt wird. Sogar aus der Ferne übers Internet könnte der Countdown so gesteuert werden, verrät die Hochschule.

Ungeahnte Möglichkeiten bietet dieser Ansatz, nicht nur für arbeitslose Mobilfunkspezialisten aus dem benachbarten Ex-Nokia-Werk. Kamp-Lintfort macht auch vor, was selbst die kühnsten Science-Fiction-Autoren bisher nicht zu ersinnen wagten: wie die neue Technik jedermann dazu einlädt, große Aufgaben selber zu lösen. Was früher wegen des hohen nötigen Kapitaleinsatzes monopolisiert war, wird nun demokratisch zugänglich. Als Kinder sahen wir Raketen noch als Symbol für die höchsten Errungenschaften der Zivilisation, jetzt können wir sie selbst steuern.

Warum sollte man nicht per iPhone Jumbojets lenken? Atomkraftwerke mit der Wii-Fernbedienung herunterfahren? Die gerade von Siemens entwickelten Mini-Helikopter als private Drohnenflotte in den Anti-Terror-Kampf schicken? Und wenn die EZB weiter die große Bazooka versteckt, bekommt eben jeder Europäer kleine Lasergame-Pistolen für den Euro-Rettungs-Fight. Auf dem iPad könnte man die Geldmenge M3 mit einer einfachen Spreizbewegung der Finger ausweiten.

Gewiss, noch dämpft die Hochschule Rhein-Waal gezielt die Erwartungen: "Auf die erreichte Gipfelhöhe kommt es diesmal nicht an, die Umlaufbahn wird nicht berührt." Aber beim nächsten Mal geht es bestimmt zum Mars. Probieren Sie es einfach aus.

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